- ^ .
78 Schrifften. Tritter Theil,
lichcn verachtet, lind gedrückt werden. Es werden immer witzigeund gelehrte Männer sey», die man wegen ihrer Wahrheits-liebe verfolgt, und aus deren Umgänge du vieles lernen kannst.
H. 38.
VII. „Auch aus den Reden des aller geringsten Menschenschäme dich nicht etwas zu lernen; und wenn es auch ein altWeib wäre tt.
5. 39.
VIII. „Wann du mit Männern, die gelehrt seyn wollen,von der Religion redest, und sie sagen dir etwas, was dirschwer und dunkel scheinet, so halte es für verdächtig. Alleswas schwer ist, erkenne für Possen; und nur das, was du gleichfassen kannst, für Wabrbcit.
5- 40.
IX. „Der Hauptzweck aller deiner Unterredungen und Hand-lungen sey, die Sekten zu vereinigen, nnd Friede und Ruhe inder Kirche herzustellen. Die Theologen selbst sind viel zu eigen-nützig, halsstarrig und zänkisch, als daß sie sich damit beschäf-tigen sollten ?c.
5- 4t.
X. „Bey Streituntcrrcdungcn suche beständig auf eine neueArt zu antworten. Mit dem Antworten selbst aber, sey jarecht fertig. Jedes grosse Genie redet alles aus dem Stegreife.In theologischen Sachen besonders, sind oft die ersten, Gedan-ken besser als die letztem zc.
5- 42.
XI. „Die Streitigkeiten, welche unter den Sekten obwalten,mache so geringe als möglich; denn sie sind es, die der Verei-nigung am meisten im Wege stehen. Oft sind es nur Wett-streite, und der ganze Fehler ist der, daß beyde Partheyen ein-ander nicht verstehen. Ucbcrhaupt wird dir hier der Unterschiedzwischen Glaubensartikeln, die zur Secligkeit unumgänglich nö-thig sind, und denen, die es nicht sind, sehr wohl zu Stat-ten kommen.
5- 43.
XII. „Wann du von den vcrschicdncn Sekten sprichst, sodrücke dich allezeit bescheiden aus. Die Bescheidenheit ist die