Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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Schriffteu. Dritter Theil.

tor in Lonches, oder was man sonst darunter verstehen solle?Ich bekenne meine Unwissenheit ganz gerne. Was liegt endlichan diesem Umstände? Die Briefe selbst werden deswegen ihrenWerth nicht verlieren. Hier sind sie:

Der erste Brief.Des Alphonsus valoeslus an den Peter Marryr.Du verlangst von mir zu wissen, was die jüngst unterden Deutschen entstandene Sekte der Lutheraner für einen Ur-sprung habe, und wie sie ausgebreitet worden. Ich will diralles, wo nicht zierlich, doch getreulich überschreiben, wie ich esvon glaubwürdigen Personen erfahren habe. Du wirst, ohneZweifel, gehört haben, daß der Pabst Julius II. dem ApostelPctro einen unglaublich prächtigen und grossen Tempel bauenzu lassen, angefangen habe. Er hielt es, vermuthlich, für un-anständig, daß der Oberste der Apostel in einem niedrigen Tem-pel wohnen solle, besonders da aus allen Theilen der Welt, un-zchlichc Menschen der Religion wegen, daselbst einträfen. Erwürde, nach seiner Großmuth, diesen Bau auch gewiß zuStande gebracht haben, wenn ihn nicht, mitten in dem Laufe,der Tod aus der Zcitlichkcit abgefordert hätte. Leo der Xtefolgte ihm auf dem Päpstlichen Stuhle, weil er aber nicht Geldgenug hatte, einen solchen Aufwand zu bcstrcitcn, so ließ erdurch die ganze christliche Welt denjenigen Ablaß verkündigen,welche zum Baue dieses Tempels einige Beysteuer geben woll-ten. Er hoste, daß er auf diese Art eine unsägliche MengeGeldes, besonders unter den Deutschen, welche die RömischeKirche mit einer ganz besondern Hochachtung verehrten, zusam-men bringen werde. Doch wie nichts in der Welt so fest undbeständig ist, das nicht entweder durch die Gewalt der Zeit, oderdurch die Bosheit der Menschen verfallen sollte, so konnten auchdiese Ablaßverkündigungcii nicht davon ausgenommen bleiben,sondern sie wurden die Ursache, daß Deutschland , welches kei-ner andern christlichen Nation an Frömmigkeit etwas nachgab,jctzo von allen und jeden darinne übcrtroffcn ward. Es sprangnehmlich in Wittcnbcrg, einer Stadt in Sachsen, als ein ge-wisser Dominikaner predigte, und dem Volke den Ablaß, wor-aus er selbst keinen geringen Vortheil zu ziehen trachtete, auf-