Rettung des Cochläns.
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kommen, der sich auch vor ihm und allen Ständen des Reichsstellte. Er ward gefragt: ob er sich zu den Büchern, die hierund da unter seinem Namen herum gingen, bekenne, und ober das, was er darinne geschrieben habe, wiederrufen wolle,ovcr nicht? Er antwortete: er bekenne sich zu allen diesenBüchern; (deren Titel ihm auf sein Begehren vorgelesen wur-den) und rvolle er weder sezc noch jemals leugnen, daßer Verfasser davon sey- Was aber den zweyten Punkt deran ihn geschehenen Frage anbelangte, ob er nehmlich das waser geschrieben habe, wicdcrruscn wolle, so bat er, der Kayscrmöge ihm Bedenkzeit lassen, die ihm auch der Kayscr bis aufden folgenden Tag verstattete. An diesem nun, wurde XNarti-nus Kmhcrus abermals vor den Kayscr, die Churfürsten undalle Reichsständc gefordert, und man verlangte von ihm, daßer auf den zweyten Theil der gestrigen Frage antworten solle.Hierauf hielt er eine lange und wcitläuftige Rede, Theils inlateinischer, Theils in deutscher Sprache, und beschloß endlichdamit, Saß er nichts, was in seinen Büchern enthalten sey,wiederrufen könne, wenn man ihm nicht ans der Kehre desEvangelii und aus dem alten oder neuen Testamente zeigenkönne, daß er geirret und gottlose Sacken vorgetragen habe.Und als man aufs neue in ihn drang, daß er, alles andre beySeite gesetzt, entweder mit Za oder Nein antworten möge, ob erbey den Lehrsätzen und Anordnungen der Airchenversamm-lungen bleiben wolle; so antwortete er: er wolle nichts wic-derrufen, und könne auch bey den Lehrsätzen der Rirchenver-sammlungen nicht bleiben, weil die Rirchenversammlnngensich manchmal widersprochen hätten. Der Kayser befahl ihmhierauf abzutreten, und ließ die Versammlung auf diesen Tag aus-einander. Den Tag darauf, ließ er die Churfürsten zu sich kommen,und legte ihnen eine von seiner eignen Hand aufgesetzte Schriftvor, in der er ihnen, was nunmehr zu thun sey, erklärte, undsie insgesamt seiner Meinung bcyzutrctcn bat, daß man nehm-lich geschärfte Befehle wider Luthcrn und die Lutheraner, ergehen,und die Bücher dieses unsinnigen Mannes verbrennen lassenwolle. Die Reichsständc aber, deren einige Luthcrs Gift ein-gcsogcn hatten, andre aber Luthcrn nicht ebcr verdammt wissen
LeMuge Werke iv. 7