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Schrifften. Dritter Theil.
man verdammt habe, als rechtgläubig vertheidigen wolle. Dochauch hieran ließ er sich nicht einmal begnügen, sondern ver-brannte noch in Wittcnberg alle Bücher des kanonischen Rechts,so viel er deren daselbst auftrcibcn konnte, weil sie, nach seinemVorgeben, die christliche Frömmigkeit verdorben hätten, und alsobey Seite gcschaft werden müßten. Nachdem sich das Gerüchtehiervon durch ganz Deutschland ausgebreitet, sind die Gemütherder Deutschen auf eine so unbeschreibliche Art wider den aposto-lischen Stuhl erbittert worden, daß wenn der Pabst nicht dieKlugheit, oder der Kayscr nicht das Glück hat, mit einer allge-meinen Kirchcnvcrsammlung, dem Uebel abzuhclffcn, nur allzu-sehr zu besorgen steht, dieses Unheil werde noch so weit um sichgrciffcn, daß zuletzt gantz und gar kein Mittel darwicdcr vor-handen seyn wird. — — So viel habe ich dir vorjczt meldenwollen. Nimm es geneigt aus, und lebe wohl. Brüssel, den31 August. 1620.
Zweyter Briefdes Alphonsns valSesiuL an den Peter Marter.Den Ursprung der Lutherischen Sekte, und ihren Fortgangbis auf den heutigen Tag, habe ich dir aus Brüssel geschrieben.Vernimm nunmehr, was darauf gefolgt ist. Nachdem der Kay-scr in diese Stadt Worms , die Churfürsten des römischen Reichsund alle Stände zusammen berufen, hat er vor allen DingenLuthers Sache vorzunehmen verlangt, damit durch das Ansehendes ganzen Reichs, der Unsinn dieses Mannes endlich gcbän-diget, und andre ihm bcyzutrctcn abgehalten würden. Ob erdieses nun schon sehr eifrig getrieben, so hat er doch nichts wei-ter erlangen können, als daß Luther, unter kayscrlichcm sichernGeleite nach Worms gcruffcn und vorher gehört würde, eheman etwas wider ihn beschlossen wolle. Sie behaupteten alle,daß es unbillig seyn würde, ihn unvcrhört zu verdammen, unddaß es der Würde und Frömmigkeit des Kayscrs zukomme, wennLuther seine Irrthümer wicdcrruffc, das übrige, was er sonst, sogelehrt als christlich, geschrieben habe, zu untersuchen, und Deutsch-land von den Unterdrückungen und Beschwerden des pabstlichcnStuhles zu bcfrcyen. Da der Kayscr sahe, daß er nichts weitererlangen könne, so ließ er wuchern unter seinem sichern Geleite