Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
99
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Rettung des CochläuS .

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Zch bin so weit cntscrnt diesen Briefen eine Lobrede zu hal-ten, und mich zu ihrem unbedingten Vertheidiger auszuwerfen,daß ich cs vielmehr ganz gerne einräumen werde, wenn manhier und da einige kleine Falschheiten darinnc entdecken sollte.Zch habe sie eigentlich aus keiner andern Ursache angeführt undmitgetheilt, als wegen der Stelle, die ich dem Herrn D. Rrafcdaraus entgegen setze, und aus welcher er wenigstens so vielersehen wird, daß Locbl«us den unserm Luther vorgcworfncnNeid, nicht, wie man zu reden Pflegt, aus den Fingern geso-gen habe, sondern dabey ohne Zweifel dem Gerüchte gefolgt sey.

Indem ich aber leugne daß dieser gcschworne Feind des grossenReformators der Erfinder gedachter Beschuldigung sey, so willich sie doch deßwegen für nichts weniger als für wahr halten.Sie hat zu wenig Wahrscheinlichkeit, wenn man sie mit Luthers uneigennützigem und großmüthigen Charakter vergleicht. Er, derdurch eine Glaubcnsvcrbcsscrung nichts irrdischcs für sich selbstzu gewinnen suchte, sollte den die Gewinnsucht, oder welchesauf eins hinaus kömmt, der Neid über den Gewinn eines an-dern, dazu angetrieben haben?

Eine Betrachtung aber wird man mir erlaube». Zchsehe nicht, was unsre Gegner gewinnen würden, wann cs auchwahr wäre, daß wuchern der Neid angetrieben habe, und wannauch sonst alles wahr wäre, was sie zur Verkleinerung diesesHelden vorbringen. Wir sind einfältig genug, und lassen unsfast immer mit ihnen in die heftigsten Streitigkeiten darüberein; wir untersuchen, vertheidigen, wicdcrlcgcn, und geben unsdie undankbarste Mühe; oft sind wir glücklich, und öfters auchnicht, denn das ist unstreitig, daß cs leichter ist, tausend Be-schuldigungen zu erdenken, als eine einzige so zu Schanden zumachen, daß auch nicht der geringste Verdacht mehr übrig bleibe.Wie wäre cs also, wenn man dieses ganze Feld, welches sovielen Kampf zu erhalten kostet, und uns doch nicht das ge-ringste einbringt, endlich aufgäbe? Genug, daß durch die Re-formation unendlich viel gutes ist gestiftet worden, welches dieKatholiken selbst nicht ganz und gar leugnen; genug, daß wirin dem Genusse ihrer Früchte sitzen; genug, daß wir diese derVorsehung des Himmels zu danken haben. Was gehen uns