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Theatralische Bibliothek.
man gesehen hat, an zwey Ncbenmitglicdcr der Akademie zuRochelle gerichtet; und ich habe es für gut befunden, diese An-rede durchgängig zu verändern. Sie hat verschiedene Noten,die nicht viel sagen wollen; ich habe also die armseligsten weg-gelassen, und beynahe hätten sie dieses Schicksal alle gehabt.Sie hat ferner eine Einleitung von sechs Seiten, und auch diesehabe ich nicht übersetzt, weil ich glaube, daß sie zu vermissenist. Beynahe hätte ich sogar den Anfang der Abhandlung selbstÜbergängen, wo uns mit wenigen die ganze Geschichte der Dra-matischen Dichtkunst, nach dem Pater Nrumoi, crzchlt wird.Doch weil der Verfasser versichert, daß er diese Schritte zurücknothwendig habe thun müsscn, um desto sichrer und mit desto mehrKräften auf seinen eigentlichen Gegenstand loßgchcn zu können,so habe ich alles gelassen wie es ist. Seine Schreibart übrigensschmeckt ein wenig nach der kostbaren Art, die auch keine Klei-nigkeit ohne Wendung sagen will. Zch habe sie größten Theilsmüssen beybehalten, und man wird mich entschuldigen.
Ohne wcitrc Vorrede endlich zur Abhandlung selbst zu kom-men; hier ist sie!
Betrachtungen über das weinerlich Komische,aus dem Französischen des Herrn M. D. C.
Die Schaubühne der Griechen, das unsterbliche Werk des PaterBrumoi, lehret uns, daß die Komödie, nachdem sie ihre bretterncGerüste verlassen, ihr Augenmerk auf den Unterricht der Bürger, inAnsehung der politischen Angelegenheiten der Regierung, gerichtet habe.In dem ersten Alter der Bühne grif man vielmehr die Personen, alsdie Laster an, und gebrauchte lieber die Waffen der Satyre, als die 'Füge des Lächerlichen. Damals waren der Weltweise, der Redner,die Obrigkeit, der Feldherr, die Götter selbst, den allcrblutigflen Svöt-tereyen ausgesetzt; und alles, ohne Unterscheid, ward das Opfer einerFreyheit, die keine Grenzen kannte.
Die erstem Gesetze schränkten diese unbändige Frechheit der Dichtereinigermassen ein. Sie durften sich nicht erkühnen irgend eine Personzu nennen; allein sie fanden gar bald das Geheimniß, sich dieses Zwangswegen schadlos zu halten. Aristophancs und seine Zeitgenossen schil-derten unter geborgten Namen, vollkommen gleichende Charaktere; so