Betrachtungen über das weinerlich Komische. 113
daß sie das Vergnügen hatten, so wohl ihrer Eigenliebe, als der Bos-heit der Zuschauer, auf eine feinre Art ein Gnüge zu thun.
Das dritte Alter der Atheniensischen Bühne war unendlich wenigerfrech. Menander, welcher das Muster derselben ward, verlegte dieScene an einen eingebildeten Ort, welcher mit dem, wo die Vorstellunggeschah, nichts mehr gemein hatte. Die Personen waren gleichfallsGeschöpfe der Erfindung, und wie die Begebenheiten erdichtet. NeueGesetze, welche weit strenger als die erster» waren, erlaubten dieserneuen Art von Komödie nicht das geringste von dem zu behalten, wassie etwa den ersten Dichtern konnte abgeborgt haben.
Das Lateinische Theater machte in der Art des Mcnanders keineVeränderung, sondern begnügte sich, ihr mehr oder weniger knechtischnachzuahmen, nach dem das Genie seiner Verfasser beschaffen war.Plautus, welcher eine vortrefliche Gabe zu scherzen hatte, entwarf alleseine Schilderungen von der Seite des Lächerlichen, und wäre weitlieber ein Nacheifern des AristophaneS als des MenandcrS gewesen,wenn er es hätte wagen dürfen. Terenz war kälter, anständiger undregelmäßiger; seine Schilderungen hatten mehr Wahrheit, aber weni-ger Leben. Die Römer, sagt der Pater Rapin, glaubten in artigerGesellschaft zu seyn, wann sie den Lustspielen dieses Dichters bey-wohnten; und seine Scherze sind, nach dem Urtheile der Frau Dacicr,von einer Leichtigkeit und Bescheidenheit, die den Lnstspieldichtern allerJahrhunderle zum Muster dienen kann.
Die persönliche Satyre und das Lächerliche der Sitten machtenalso, die ans einander folgenden Kennzeichen der Gedichte von diesenverschiedenen Arten des Komischen, aus; und unter diesen Zügen ein-zig und allein suchten die Verfasser ihre Mitbürger zu bessern und zuergötzen. Doch diese letztre Art, welche sich auf alle Stände erstreckenkonnte, ward nicht so weit getrieben, als sie es wohl hätte seyn kön-nen. Wir haben in der That kein Stück, weder im Griechischen nochim Lateinischen, dessen Gegenstand unmittelbar das Frauenzimmer sey.AristophaneS führt zwar oft genug Weibsbilder auf, allein nur immerals Nebenrollen, welche keinen Antheil an dem Lächerlichen haben; undauch alsdenn, wenn er ihnen die ersten Rollen giebt, wie zum Exem-pel in den Rednerinnen/ fällt dennoch die Critik auf die Mannsper-sonen zurück, welche den wahren Gegenstand seines Gedichts ausmache».
Plautus und Terenz haben uns nichts als das schändliche und feile
L-ssmgs Werke IV. 8