Betrachtungen über das weinerlich Komische.
ein von ihm geheiligter Irrthum, deswegen nicht aufhöre ein Irrthumzu seyn. Ich gebe meinen Gegnern folglich alle mögliche Begvcmlich-kcit, und sie können, ohne ungerecht zu seyn, mehr Höflichkeit undUncigennützigkeit von mir nicht fordern.
Nach den vcrschicdncn Rührungen des Herzens entweder lachenoder weinen, sind, ohne Zweifel, natürliche l?mpfindnngen: allein ineben demselben Augenblicke lachen und weinen, und jenes in der einenScene fortsetzen, wenn man in der andern dieses thun soll, das istganz und gar nicht nach der Natur. Tiefer schleinigc Ucbcrgang vonder Freude zur Betrübniß, und von der Betrübniß zur Freude, setzetdie Seele in Zwang und verursacht ihr unangenehme und gewaltsameBewegungen. °
Damit man diese Wahrheit in aller seiner Stärke empfinde, sowird man mir erlauben, ein verhaßtes Krempel anzuführen: dennwenn man nicht überreden kann», so muß man zu überzeugen suchen.In dem ungeheuren Lustspiele Samson, reißt dieser von einem um-thigcn vifer erfüllte Held, nachdem er das höchste Wesen angerufen,die Thore des Gefängnisses ein, und trägt sie auf seinen Schulter»fort. Den Augenblick darauf erscheint Hgrlequin und bringt einenKalekutschhahn, und schüttet sich in komischen Possen aus, die ebenso kriechend sind, als die Empfindungen des Helden edel und großmü-thig zu seyn geschienen hatten. Ich bitte, was kann man wohl zu ei-ner Abstechung sagen, die auf einmal zwey so widrige Stellungenzeiget, und zwey so widersprechende Bewegungen verursachet? Kannman noch zweifeln, daß Vernunft und Anständigkeit ihr gleich sehr zu-wider sind? Kann man verhindern, daß nicht eine Art von Verdrußgegen den Zusammenlauf nichtswürdigcr Zuschauer, welche solche wi-derwärtige Ungereimtheiten bewundern können, in uns entstehen sollte?
lieber eine so närrische Vermischung läßt man ohne Zweifel dieVerdammung ergehen: allein es giebt eine minder merkliche, welche
° Es ist nicht der Körper, welcher in dem Schauspiele lacht oder wei-net; es ist die Seele, die von den Eindrücke», die »lan ans sie macht, gc-rühret wird. Wann sie, durch das Pathetische bewegt, und durch das Ko-mische erfreut wird, so ist sie zu gleicher Zeit ein Raub zwcvcr ^cgcnsciiigcuBewegungen - - Wie erstaunlich ist es für den menschlichen Kcist,, so schleim,.,und obnc Vorbereitung, von dem Tragische» auf das Komische über zu ge-hen, und vo» einer zärtlichen Erkennung, auf die Schäckcrepe» eines Mär-chens und eines Pctitmailcrs :c. i>riuoipeü, eben daselbst.