Betrachtungen über das weinerlich Komische. 12l
Und man glaube nur nicht, daß diese durchgängige Uebereinstim-mung schwer zu beweise» sey. Man nehme den Arisiophanes, Plau-tus und Terenz; man durchlaufe das englische Theater und die gute»Stücke des Italiänischen; man besinne sich hernach auf den Moliereund Regnard , und verbinde diese thätlichen Beweise mit den Ent-scheidungen der dramatischen Gesetzgeber, des Aristoteles, des Ho.raz, des Despreaux, des P. Ravins, so wird man die einen so-wohl, als die andern, dem System des kläglich Komischen gänzlichzuwider finden. Zwar wird man die nothwendigen Verschiedenheitenzwischen den Sitten und dem Genie der Dichter eines jeden Volksbemerken; zwar wird man, nach Beschaffenheit der Gegenstände, inden Stücken, welche die Laster des HerzcnS angreifen, einen noth-wendig crnsthaficn Ton antreffen, so wie man in denen, welche mitden Ungereimtheiten des Verstandes zu thun haben, eine Vermischungdes Scherzes und des Ernstes, und in denen, welche nur das Lä-cherliche schildern sollen, nichts als komische Züge und Wendnngenfinden wird; zwar wird man sehen, daß die Kunst eben nicht verbun-den ist, uns zum Lachen zu bewegen, und daß sie sich oft begnügt,uns weiter nicht als auf diejenige innere Empfindung, welche die Seeleerweitert, zu bringen, ohne uns zu den unmäßigen Bewegungen zutreiben, welche laut ausbrechcn: aber jenen traurigen und kläglichenTon, jcncS romanenhafte Gewinste, welches vor unsern Augen der Ab-gott des Frauenzimmers uud der jungen Leute geworden ist, wird manganz und gar nicht gewahr werden. Mit einem Worte, diese Unter-suchung wird uns überzeugen, daß cS wider die Natur der komischenGattung ist, uns unsre Fehler beweinen zu lassen, e§ mögen auchnoch so häßliche Laster geschildert weiden; daß Thalia, so zn reden,auf ihrer Maske keine andre Thränen, als Thränen der Frcnde undder Liebe duldet; uud daß diejenigen, welche sie quasi-tragische Thrä-nen wollen vergießen lassen, sich nur eine andre Gottheil für ihreOpfer suchen können.
Der Einwurf also, den mau aus der willkührlichcu Natur der Ko-mödie hergenommen, scheint mir hinlänglich widerlegt zu seyn; weilalles, was die vornehmste Wirkung, die ein Werk hervorbringen soll,vernichtet, ein wesentlicher Fehler ist. Wollte man gleichwohl nochdarauf dringen, daß die Komödie natürlicher Weise mehr, als irgendeine andre Geburth des Genies, dem Geschmacke des Jahrhunderts, in