Abhandlung für das rührende Lustspiel. 135
ger bewegen könne. Dacier ° und andre, welche die von dem Aristo-teles entworfene Erklärung wcitläuftiger haben erleutern wollen, setzendie ganze Kraft und Stärke der Komödie in das Lächerliche. Nunkann man zwar nicht leugnen, daß nicht der größte Theil derselbendarauf ankomme, obgleich, nach dem voßius/" auch dieses zwei-felhaft sein könnte; allein so viel ist auch gewiß, daß in dem Lächer-lichen nicht durchaus alle ihre Tugend bestehe. Denn entweder sinddie reizenden Stücke des Tcrcnz keine Komödien zu nennen; oder dieKomödie hat ihre ernsthaften Stellen, und muß sie haben, damit selbstdas Lächerliche durch das beständige Anhalten nicht geschwächt werde.Senn was ohne Unterlaß artig ist, das rührt entweder nicht genug,oder ermüdet das Gemüth, indem es dasselbe allzusehr rührt. Ichglaube also, daß aus der Erklärung des Aristoteles weiter nichts zufolgern ist, als dieses, was für eine Art von Lastern die Komödie vor-nehmlich durchziehen soll. ES erhellt nehmlich daraus, daß sie sich mitsolchen Lastern beschäftigen müsse, welche niemandem ohne Schande,vbschon ohne seinem und ohne andrer Schaden, anhängen können;kurz, solche Laster, welche Lachen und Satyrc, nicht aber Ahndungund öffentliche Strafe verdienen, woran sich aber doch weder plautuö/noch diejenigen, die er unter den Griechen nachgeahmet hat, besondersgekehrt zu haben scheinen. Ja man mnß so gar zugestehen, daß eseine Art Laster giebt, welche gar sehr mit eines andern Schaden ver-bunden ist, als zum Exempel die Verschwendung, nnd dennoch in derKomödie angebracht werden kann, wenn es nur auf eine geschickte undkunstniäßigc Art geschieht. Ich sehe also nicht, worinnc derjenige Lust-spieldichtcr sündige, welcher, in Betrachtung der Nützlichkeit, die Re-geln der Kunst dann und wann bey Seite setzt, besonders wenn manvon ihm sagen kann:
llalivl lionorunr oxvmzckiriii: c^no exemjilo sllck
I^icoie ick iueere, czuock illi leeoi'iint, >>»l!ii.
° In den Anmcrkunqm zu des Aristoteles Dichtkunst Hauptst, V. S.5,8. Pariser Ausgabe von 1692. ^rMoie en f-us-ii» in, lwtnuli,«» >>>.- I-i l!o-iu«Mv lwcicle, «luelle« cllolkL pvuveiU kin>« lu s»M >Ie s»i> imiUUio», II» «tue eelw» liui sunt puivmei» rnlieule«, o»r w»s le» inttro« xoureü»le mecliaiicelv vu iw v'i<:e, nu s^iluroioxl troiivvr >>IiccL, pArve ija'N-i«e peuvvnl itUiiur !'!»>>i!;»!»tio», o» I» >>i>>L, M«sic»>t>, l^ui uv tiuivviu»ullemenl rexner clgns I», Ln»»:aiu.
°° Zn seiner Poetik. Ut>. I. e. V. >>.