134 Theatralische Bibliothek.
folgt, so wie es ihrem eigenthümlichen Genie gemäß war: und wirselbst haben sie in den Zeiten unsers Ruhmes, in dem Jahrhunderteangenommen, das man so oft mit dein Jahrhunderte des Augusts inVergleichung gcstcllet hat. Warum will man jejt Thalien nöthigendie traurige Stellung der Melpomcne zu borgen, und ein ernsthaftesAnsehen über eine Bühne zu verbreiten, deren vornehmste Zierde alle-zeit Spiel und Lachen gewesen sind, und beständig ihr unterscheidenderCharakter seyn werden?
Vvikilius exponi trsgioi« res comioa non vulk.
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Hier ist die Schrift des französischen Gegners aus. Ob csnun gleich nicht scheint, daß sie der Hr. Prof. Gcllcrt gekannthabe, so ist cs dennoch geschehen, daß er auf die meisten ihrerGründe glücklich geantwortet hat. Weil sie dem Leser noch infrischem Andenken seyn müssen, so will ich ihn nicht lange ab-halten, sich selbst davon zu überzeugen. Nur habe ich eine kleineBitte an ihn zu thun. Er mag so gut seyn, und cs dem Hrn.Prof. Gellcrr nicht zuschreiben, wann er finden sollte, daß ersich dicscsmal schlechter ausdrücke, als er sonst von ihm ge-wohnt ist. Man sagt, daß auch die besten Uebcrsctzcr Ver-hunzcr wären.
Des Herrn Prof. Gcllerts Abhandlungfür das rührende Lustspiel.
Man hat zu unsern Zeiten, besonders in Frankreich , eine Art vonLustspielen versucht, welche nicht allein die Gemüther der Zuschauer zuergötzen, sondern auch so zu rühren und so anzutreiben vermögendwäre, daß sie ihnen so gar Thränen auspresse. Man hat dergleichenKomödie, zum Scherz und zur Verspottung, in der französischen Sprache,eomoäiv larino^anto, ° das ist die weinerliche genennt, und vonnicht wenigen pflegt sie als eine abgeschmackte Nachäffung des Trauer-spiels getadelt zu werden. Ich bin zwar- nicht Willens, alle und jedeStücke, welche in diese Klasse können gebracht werden, zn vertheidi-digen; sondern ich will bloß die Art der Einrichtung selbst retten, undwo möglich erweisen, daß die Komödie, mit allem Ruhme< hefti-
° S. die Vorrede des Hrn. v, Voltaire zu seiner Nanine im lX.Tbeile seiner Werke, Dresdner Ausgabe,