Betrachtungen über das weinerlich Komische. 133
fährlich ihn nachzuahmen. Der Herr de la Chaussee hat gleichfalls sei-nen Ton, dessen Schöpfer er ist, und dem eS mehr in Ansehung derArt von Unmöglichkeit, seine Fabeln nicht nach zu copiren, als in An-sehung der Schwierigkeit, sie mit eben so vieler Kunst und mit ebenso glänzenden Farben vorzutragen, an Nachahmern fehlen wird.
Doch alle Kunst ist unnütze, wenn die Gattung an und für sichselbst fehlerhaft ist, das ist, wenn sie sich nicht auf jenes empfindbareund allgemeine Wahre gründet, welches zu allen Feiten und für alleGemüther verständlich ist. Aus dieser Ursache vornehmlich wird dieTäuschung des neuen Komischen gewiß verschwinden; man wird eSbald durchgängig übcrdrüßig seyn, die Anskrahmung der Tugend mitbürgerlichen Abentheucrn verbunden zu sehen, und romanenhafte Ori-ginale die strengste Weisheit, in dem nachgemachten Tone des Seneca predigen, oder mit den menschlichen Tugenden, zur Nachahmung desberühmten MarimenschreiberS, sinnreich zanken zu hören.
Lasset uns daher aus diesem allen den Schluß ziehen, daß keineErfindungen vergönnt sind, als welche die Absicht zu verschönern ha-ben, und daß die Gattung des weinerlich Komischen eine von den ge-fährlichen Erfindungen ist, welche dem wahren Komischen einen tödli-chen Streich versetzen kann. Wenn eine Kunst zu ihrer Vollkommen-heit gelangt ist, und man will ihr Wesen verändern, so ist dieses,nicht sowohl eine in dem Reiche der Gelehrsamkeit erlaubte Freyheit,als vielmehr eine unerträgliche Frechheit, (l) Die Griechen und dieRömer, unsre Meister und Muster in allen Geburthen des Geschmacks,haben die Komödie vornehmlich dazu bestimmt, daß sie uns, vermittelstder Critik und des Scherzes, zugleich ergötzen und unterrichten soll.Alle Völker EuropenS sind hernach dieser Weise mehr oder weniger ge-ll) Da alle Künste an einander grenzen, so laßt uns noch die Klagenhören, welche Hr. Blondel in seinem 1747 gedruckten Nilcour« lur t'^r-eiiiweiure führet. Es ist zu befürchten, sagt er/ das; die sinnreichen Neue-rungen, welche man zu jetziger Zcit, mit ziemlichem Gluck einführt, endlichvon Künstlern werden nachgeahmt werden, welchen die Verdienste und «dieFähigkeiten der Erfinder mangeln. Sie werden daher auf eine Menge unge-reimter Gestalten fallen, welche den Geschmack nach und nach verderben, undwerden ausschweifenden Svndcrlichkcitcn den schönen Namen der Erfindungenbeylegen. Wann dieses Gift die Künste einmal ergriffen hat, so fangen dieAlten an unfruchtbar zu scheine», die grossen Meister frostig, nnd die Regelnallzu enge :c. :c.