Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
132
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Theatralische Bibliothek.

Mundwerk anstatt der gründlichen Wissenschaft, welche ihre Vorgängerbesassen. Ihre Erkenntniß, sagt man, ist mannigfaltiger, aber ebendeswegen auch unvollkommner. Sie haben, wenn man will, mehrWitz; aber vielleicht desto weniger wahres Genie. Kurz die meistenvon ihnen scheinen von den alten Gelehrten nichts beybehalten zu ha-ben, als die beklagenswürdige Erbitterung, ihre Personen und ihreWerke unter einander zu verlästern, und sich dadurch in den Augenihrer Zeitgenossen und der Nachwelt verächtlich zu machen.

Es ist also nicht sowohl die Erschöpfung der Charaktere und desLächerlichen, noch die Begierde nützlicher zu seyn, noch die Vorstellungeines grossem Vergnügens, welche uns die Gattung des weinerlich Ko-mischen vcrschaft hat, sondern vielmehr die Schwierigkeit, den Ton desMokiere zu erreichen, oder vielmehr die Begierde unsre Bewunderungdurch die glänzenden Reihe der Neuigkeit zu überraschen. Diese Krank-heit, welche dem Französischen Genie so eigen ist, erzeugt die Modenin der Litteratur, und stekt mit ihren Sonderlichkeitcn sowohl alle Schreib-arten, als alle Stände an. Unsre Neugierde will alles durchlaufen;unsre Eitelkeit will alles versuchen; und auch alsdenn, wenn wir derVernunft nachgeben, scheinen wir nicht sowohl ihrem Reitze, als un-serm Eigensinn gefolgt zu seyn.

Wann diese Betrachtungen wahr sind, so ist es leicht, das Schick-sal des weinerlich Komischeu vorher zu sagen. Die Mode hat es ein-geführt, und mit der Mode wird es vergehen, und in das Land desTragikomischen verwiesen werden, aus welchem es gekommen ist. Esglänzet vermöge der schimmernden Blitze der Neuigkeit, und wird ebenso geschwind, als diese, verlöschen. DaS schöne Geschlecht, welches dergcbohrne Beschützer aller zärtlichen Neuerungen ist, kann nicht immerweinen wollen, ob es gleich immer empfinden will. Wir dürfen unsnur auf seine Unbeständigkeit verlassen.

Unter die Gründe, warum man den Geschmack an dem weinerlichKomische» wird fahren lassen, gehöret auch noch die äusserste Schwie-rigkeit, in dieser Gattung glücklich zu seyn: die Laufbahn ist nichtvon grossem Umfange, und es wird ein eben so glänzendes und bear-beitetes Genie, als das Genie des Verfassers der Melanide ist, dazuerfordert, wenn man sie mit gutem Fortgangs ausfüllen will. DerHerr von Fontenclle hat einen Ton, welcher ihm eigen ist, und derihm allein unvergleichlich wohl läßt; allein es ist unmöglich oder ge-