Abhandlung für das rührende Lustspiel. " 137
und lächerliche eingetheilet haben. Unter der sittlichen verstandensie diejenige, in welcher die Sitten, und unter der lächerlichen, inwelcher das Lächerliche herrschte. Doch wenn man nicht allein daraufzu sehen hat, was in der Komödie zu geschehen pflegt, sondern auch aufdaS, was darinne geschehen sollte, warum wollen wir sie nicht lieber,nach Maaßgebung des Trapps," also erklären, daß wir sagen, dieKomödie sey ein dramatisches Gedicht, welches Abschilderungen von demgemeinen Privatleben enthalte, die Tugend anpreise, und verschiedeneLaster und Ungereimtheiten der Menschen, auf eine scherzhafte und feineArt durchziehe. Ich gestehe ganz gerne, daß sich diese Erklärung nichtauf alle und jede Exempel anwenden lasse; allein, wenn man auchdurchaus eine solche verlangte, welche alles, was jemals unter demNamen Komödie begriffen worden, in sich fassen sollte, so würde manentweder gar keine, oder doch ein Ungeheuer von einer Erklärung be-kommen. Genug, daß diese von uns angenommene Erklärung vondem Endzwecke, welchen die Komödie erreichen soll, und auch leichterreichen kann, abgeleitet ist, und auch daher ihre Entschuldigung undVertheidigung nehmen darf.
Damit ich aber die Sache der rührenden Komödie, wo nicht glück-lich, doch sorgfältig führen möge, so muß ich einer doppelten Anklageentgegen gehen; deren eine dahinaus läuft, daß auf diese Weise derUnterscheid, welcher zwischen einer Tragödie und Romödie seynmüsse, aufgehoben werde; und deren andre darauf ankömmt, daßdiejenige Romödie sich selbst zuwieder wäre, welche die Affec,-ten sorgfältig erregen wolle.
Was den ersten Grund anbelangt, so scheint es mir gar nicht,daß man zu befürchten habe, die Grenzen beyder Gattungen möchtenvermengt werden. Die Komödie kann ganz wohl zu rühren fähig seyn,und gleichwohl von der Tragödie noch weit entfernt bleiben, indem sieweder eben dieselben Leidenschaften rege macht, noch aus eben derselbenAbsicht, und durch eben dieselben Mittel, als die Tragödie zu thunpflegt. Es wäre freylich unsinnig, wenn sich die Komödie jene großenund schrecklichen Zurüstungen der Tragödie, Mord, Verzweiflung unddergleichen, anmaassen wollte; allein wenn hat sie dieses jemals gethan?Sie begnügt sich mit einer gemeinen, obschon seltnen, Begebenheit,und weis von dem Adel und von der Hoheit der Handlung nichts z sie
, " An angef. Orte S. 314. und folglich.