Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
138
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138 Theatralische Bibliothek.

weis nichts von den Sitten und Empfindungen großer Helden, welchesich entweder durch ihre erhabne Tugend, oder durck ihre ausserordcntlicheHäßlichkeit ausnchmen; sie weis nichts von jenem tragischen hohen undprächtigen Ausdrucke. Dieses alles ist so klar, daß ich es nur verdun-keln würde, wenn ich es mehr aus einander setzen wollte. Was hatman also für einen Grund, zu behaupten, daß die rührende Komödie,wenn sie dann und wann Erbarmen erweckt, in die Vorzüge der Tra-gödie einen Eingriff thue? Können denn die kleinen Uebel, welche siedieser oder jener Person zustoßen läßt, jene heftige Empfindung desMitleids erregen, welche der Tragödie eigen ist? ES sind kaum dieAnfänge dieser Empfindung, welche die Komödie zuläßt und auf kurzeZeit in der Absicht anwendet, daß sie diese kleine Bewegung durch et-was erwünschtes wieder stillen möge; welches in der Tragödie ganz an-ders zu geschehen pflegt. Doch wir wollen uns zu der vornehmsten Quellewenden, aus welcher die Komödie ihre Rührnngen herhohlt, und zuse-hen, ob sie sich vielleicht auf dieser Seite des Eigenthums der Tragödieanmaasse. Man sage mir also, wenn rühret denn diese neue Art vonKomödie, von welcher wir handeln? Geschieht es nicht mcistcntheils,wenn sie eine tugendhafte, gesetzte und auffcrordeutliche Liebe vorstellet?Was ist aber nun zwischen der Liebe, welche die Tragödie anwendet,und derjenigen, welche die Komödie braucht, für ein Unterscheid? Einsehr großer. Die Liebe in der Komödie ist nicht jene heroische Liebe,welche durch die Bande wichtiger Angelegenheiten, der Pflicht, derTapferkeit, des größten Ehrgcitzcs, entweder unzertrennlich verknüpfet,oder unglücklich zertrennet wird; es ist nicht jene lermcnde Liebe, welchevon einer Menge von Gefahren und Lastern begleitet wird; nicht jeneverzweifelnde Liebe: sondern eine angenehm unruhige Liebe, welchezwar in verschiedene Hindernisse und Beschwerlichkeiten verwickelt wird,die sie entweder vermehren oder schwächen, die aber alle gücklich über-stiegen werden, und einen Ausgang gewinnen, welcher, wenn er auchnicht für alle Personen des Stücks angenehm, doch dem Wunsche derZuschauer gemäß zu seyn pflegt. Es ist daher im geringsten keineLermischung der Kunst zu befürchten, so lange sich nicht die Komödiemit eben derselben Liebe beschäftigt, welche in der Tragödie vorkömmt,sondern von ihr in Ansehung der Wirkungen und der damit verknüpf-ten Umstände eben so weit, als in Ansehung der Stärke und Hoheit,entfernt bleibt. Denn so wie die Liebe in einem doppelten Bilde