Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
141
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Abhandlung für das rührende Lustspiel. 141

und Werke längst unter uns bekannt sind, dasjenige glücklich geleistethaben, was wir verlangen, wann sie nehmlich, mit Beybehaltnng derFreude und der komischen Stärke, auch Gemüthsbewegungen an demgehörigen Orte angebracht haben, welche aus dem Innersten der Hand-lung flicssen und den Zuschauern gefallen; was bedarf es alsdann nochfür andre Beweise? Doch wenn wir auch ganz und gar kein Exempelfür uns anführen könnten, so erhellet wenigstens anS der verschicdnenNatur derjenigen Personen, welche der Dichter auf die Bühne bringt,daß sich die Sache ganz wohl thun lasse. Denn da, wie wir obengezeugt haben, den bösen Sitten ganz füglich gute entgegen gesetzt wer-den können, damit durch die Annehmlichkeit der letzter», die Häßlichkeitder erster» sich desto mehr ansnehme; und da diese rechtschaffnen undedeln Gemüthsarten, wenn sie sich hinlänglich äuffcrn sollen, in schwereund eine Zeit lang minder glückliche Zufälle, bey welchen sie ihreKräfte zeuge» können, verwickelt seyn müssen: so darf man nur diesemit dem Stoffe der Fabel gehörig verbinden und knnstmäßig cinflech-ten, wenn diejenige Komödie, die sich am meisten mit Verspottung derLaster beschäftiget, nichts destowenigcr die Gemüther der Zuhörer durchernsthaftere Rührungen vergnügen soll. Zwar ist allerdings eine grosseBehutsamkeit anzuwenden, daß dieses zur rechten Zeit, und am gehö-rigen Orte und im rechten Maasse geschehe; ja der komische Dichter,wenn er unser Herz entflammen will, muß glauben, daß jene War-nung, rlilül eitius niaioeteeiv <^usm laei-umas, welche man demRedner zu geben pflegt, ihm noch weit mehr als dem Redner angehe.Vornehmlich hat er dahin zu sehen, daß er nicht auf eine oder die an-dere lustige Scene, sogleich eine ernsthafte folgen lasse, wodurch dasGemüth, welches sich durch das Lachen geruhig crhohlt hatte, und nunauf einmal durch die volle Empfindung der Menschlichkeit dahin geris-sen wird, eben den verdrüßlichen Schmerz empfindet, welchen das Augefühlt, wenn es aus einem finstern Orte plötzlich gegen ein Helles Lichtgebracht wird. Noch viclweniger muß einer gesetzten Person alsdann,wenn sie die Gemüther der Zuschauer in Bewegung setzt, eine allzulä-cherliche beygcscllet werden; überhaupt aber muß man nichts von dieserGattung anbringen, wenn man nicht die Gemüther genugsam dazuvorbereitet hat, und muß auch bey eben denselben Affecten sich nichtallzulange aufhalten. Wenn man also die rührenden Scenen ans denbequemen Ort versparet, welchen man alsdann, wann sich die Fabel