142 Theatralische Bibliothek.
am meisten verwirret, noch öftrer aber, wenn sie sich aufwickelt, findet:so kann das Lustspiel nicht nur seiner satyrischen Pflicht genug thun,sondern kann auch noch dabey das Gemüth in Bewegung setzen. Frey-lich tragt hierzu der Stoff und die ganze Einrichtung des Stückes vielbey. Denn wenn dasjenige, was der Dichter, glückliches oder unglück-liches, wider alle Hoffnung sich ereignen läßt, und zu den Gemüths-bewegungen die Gelegenheit geben muß, ans den Sitten der Personenso natürlich fließt, daß es sich fast nicht anders hätte zutragen können:so überläßt sich alsdann der Zuschauer, dessen sich Nerwundrung undWahrscheinlichkeit bemächtiget haben, er mag nun der Person wohlwollen oder nicht, willig und gern den Bewegungen, und wird baldmit Vergnügen zürnen, bald trauren, und bald über die Zufälle derje-nigen Personen, deren er sich am meisten annimmt, für Freuden wei-nen. Auf diese Art, welches mir ohne Ruhmredigkeit anzuführen er-laubt seyn wird, pflegen die Zuschauer in dem letzten Auftritte desLooses in der Lotterie gerührt zu werden. Dämons Ehegattin, unddie Jungfer Caroline haben durch ihre Sitten die Gunst der Zuschauererlangt. Jene hatte schon daran verzweifelt, daß sie das Looß wieder-bekommen würde, welches für sie zehn tausend Thaler gewonnen hatte,und war auf eine anständige Art deswegen betrübt. Ehe sie sichsaber vermuthet, kömmt Caroline, und bringt ihrer Schwägerin mitdem willigsten Herzen dasjenige wieder, was sie für vcrlohrcn gehaltenhatte. Hieraus nun entstehet zwischen beyden der edelste Streit freund-schaftlicher Gesinnungen, so wie bald darauf zwischen Carolincn undihrem Liebhaber ein LicbeSstrcitz und da sowohl dieser als jener schonfür sich selbst, als ein angenehmes Schauspiel, sehr lebhaft zu rührenvermögend, zugleich auch nicht weit hcrgchohlet, sondern in der Naturder Sache gegründet, und freywillig aus den Charakteren selbst geflossensind: so streitet ein solcher Ansgang nicht allein nicht mit der Komö-die, sondern ist ihr vielmehr, wenn auch das übrige gehörig beob-achtet worden, vorlheilhaft. Mir wenigstens scheint eine Komödie,welche, wenn sie den Witz der Zuschauer genugsam beschäftiget hat,endlich mit einer angenehmen Rührung des Gemüths schliesset, nichttadelhafter, als ein Eastgcboth, welches, nachdem man leichtern Weinzur Enügc dabey genossen, die Gäste zum Schlüsse durch ein GlaSstärker» Weins erhitzen nnd so auseinander gehen läßt.
Es ist aber noch eine andre Gattung, an welcher mehr auszu-