Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

Abhandlung für das rührende Lustspiel.

143

setzen zu seyn scheinet, weil Scherz und Spott weniger darinne herr-schen, als die Gemüthsbewegungen, und weil ihre vornehmsten Per-sonen entweder nicht gemein und tadelhast, sondern von vornehmenStande, von zierlichen Sitten und von einer artigen Lebensart sind,oder, wenn sie ja einige Laster haben, ihnen doch nicht solche ankle-ben, dergleichen bey dem Pöbel gemeiniglich zu finden sind. No»dieser Gattung sind ungefehr die verliebten Philosophen des Des-touches/ die Melanide des la Chaussee, das Mündel des Fagan,und der Sidney des Gressets. Weil nun aber diejenige Person,auf die es in dem Stücke größten Theils ankömmt, entweder von gu-ter Art ist, oder doch keinen allzulächerlichen Fehler an sich hat, sokann daher ganz wohl gefragt werden, worinne denn ein solches Schau-spiel mit dem Wesen der Komödie übereinkomme? Denn obschonmeisten Theils auch lustige und auf gewisse Art lächerliche Charakteredarinne vorkommen, so erhellt doch genugsam aus der Ueberlegenheitder andern, daß sie nur der Veränderung wegen mit eingemischt sindund das Hauptwerk ganz und gar nicht vorstellen sollen. Run gebeich sehr gerne zu, daß dergleichen Schauspiele in den Grenzen, welcheman der Komödie zu setzen Pflegt, nicht mit begriffen-sind; allein esfragt sich, ob man nicht diese Grenzen um so viel erweitern müsse,daß sie auch jene Gattung dramatischer Gedichte mit in sich schlicssenkönnen." Wenn dieses nun der Endzweck der Komödie verstattet, so

° Wenn der Endzweck der Komödie überhaupt eine anständige Gcmüths-crgötzung ist, und diese durch eine geschickte Nachahmung des gemeinen Le-bens vcrschaft wird: so wrrdcn sich die verschiednm Formen der Komödie garleicht erfinden und bestimmen lasse». Denn da es eine doppelte Art vonmenschlichen Handlungen giebt, indem einige Lachen, und andre ernstbaflcreGemüthsbewegungen erwecken: so muß es auch eine doppelte Art von Komö-die gcbcn, welche die Nachahmerin des gemeinen Lebens ist. Die eine mußzu Erregung des Lachens, und die andre zu Erregung crusthaflrcr Gemüths-bcwcgungm geschickt seyn. Und da es endlich auch Hcmdlungcn giebt, die inBetrachtung ihrer verschicdne» Theile, und in Ansehung der vcrschicdnc» Per-sonen von welchen sie ausgeübt werden, beydes hervorzubringen fähig sind:so iilusi es auch eine vermischte Gattung von Komödien geben, von welcherder Lyclops des Euripides, und der Ruhmredige des Destouchcssind. Dieses hat der jüngst in Denncmark verstorbene Hr. Prof. Schlegel/ein Freund dessen Verlust ich nie genug bctauren kann, und ein Dichter dereine ewige Zierde der dramatischen Dichtkunst seyn wird, vollkommen wohleingesehen. Man sehe was in den Anmerkungen zu der deutschen Uebcrse-