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144 Theatralische Bibliothek.
sehe ich nicht, warum es nicht erlaubt seyn sollte? Das Ansehen un-srer Vorgänger wird es doch nicht verwehren? ES wird doch keinVerbrechen seyn, dasjenige zu versuchen, was sie unversucht gelassenhaben, oder aus eben der Ursache von ihnen abzugehen, aus welcherwir ihnen in andern Stücken zu folgen pflegen? Hat nicht schon Ho-ratiuS gesagt:
Noo Minimum meruere lleeu8, vektigia groeea
^usi ckekereie.
Wenn man keine andre Komödien machen darf, als solche, wie sieAristophanes , plautus und selbst Terenz gemacht haben; so glaubeich schwerlich, daß sie den guten Sitten sehr zuträglich seyn, und mitder Denkuugsart unsrer Zeiten sehr übereinkommen möchten. Sollenwir deswegen ein Schauspiel, welches aus dem gemeinen Leben ge-nommen und so eingerichtet ist, daß eS zugleich ergötze und unterrichte,als welches der ganze Endzweck eines dramatischen Stücks ist; sollenwir, sage ich, es deswegen von der Bühne verbannen, weil die Er-klärung, welche die Alten von der Komödie gegeben haben, nicht völ-lig auf dasselbe passen will? Muß es deswegen abgeschmackt und un-geheuer seyn? In Dingen, welche empfunden werden, und derenWerth durch die Empfindung beurtheilet wird, sollte ich glauben, müssedie Stimme der Natur von größcrm Nachdrucke seyn, als die Stimmeder Regeln. Die Regeln hat man aus denjenigen dramatischen Stü-cken gezogen, welche ehedem auf der Bühne Beyfall gefunden haben.Warum sollen wir uns nicht eben dieses Rechts bedienen können? Undwenn es, außer der alten Gattung von Komödie, noch eine andre giebt,welche gefällt, welche Beyfall findet, kurz welche ergötzt und nützt,übrigens aber die allgemeinen und unveränderlichen Regeln des dra-matische» Gedichts nicht verletzet, sondern sie in der Einrichtung undEinthcilung der Fabel und in der Schilderung der menschlichen Ge-müthsarten nnd Sitten genau beobachtet; warum sollten wir nnsdenn lieber darüber beklagen, als erfreuen wollen? Wenn diese Ko-mödie, von der wir handeln, abgeschmackt wäre, glaubt man denn,daß ein so abgeschmacktes' Ding sich die Billigung, sowohl der Klugen
tzimg der Schrift des Herrn Batteux, i-es beaux^rt« reSuit« » un mKmsxriiieiii«, welche vor einiger Zeit in Leipzig herausgekommen, aus einer vonseinen noch ungedruckten Abhandlungen/ über diese Materie angeführet wor-den. S. 316.
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