Abhandlung für das rührende Lustspiel. 145
als des Volks, crwcrbcn könne? Gleichwohl wissen wir, daß derglei-chen Spiele, sowohl in Paris , als an andern Orten, mehr als ein-mal mit vielem Glucke aufgeführet worden, und gar leicht den Wegzu den Gemüthern der Zuhörer gefunden haben. Wenn nun also diemeisten durch ein solches Schauspiel auf eine angenehme Art gerühretwerden, was haben wir uns um jene wenige viel zu bekümmern,welche nichts dabey zu empfinden vorgeben? ° Es giebt Leute, wel-chen die lustige Komödie auf keine Art ein Genüge ihnt, uud gleich-wohl Hort sie deswegen nicht auf, gut zu seyn. Allein, wird mansagen, es giebt uuter den so genannten rührenden Komödien sehr vieltrockne, frostige und abgeschmackte. Wohl gut; was folgt aber dar-aus? Ich will ja nicht ein jedes armseliges Stück vertheidigen. Esgiebt auch auf der andern Seite eine große Menge höchst ungereimterLustspiele, von deren Verfassern man nicht sagen kann, daß sie dieallgemeinen Regeln nicht beobachtet hätten; nur Schade, daß sie, mitdem Boilcau " zu reden, die Hauptrcgel uicht inne gehabt haben.Es hat ihnen nehmlich am Genie gefehlt. Uud wenn dieser Fehlersich auch bey den Verfassern der neuen Gattung von Komödie findet,so muß. man die Schuld nicht auf die Sache selbst legen. Wollenwir es aber gründlich ausmachen, was man ihr für einen Werth zu-gestehen müßte, so müssen wir sie, wie ich schon erinnert habe, nachder allgemeinen Absicht der dramatischen Poesie beurtheilen. OhneZweifel ist die Komödie zur Ergötzung erfunden worden; weil es aberkeine kunstmäßige und anständige Ergötznng giebt, mit welcher nichtauch einiger Nutzen verbunden wäre, so läßt sich auch von der Ko-
" Es scheint als ob man auf unsere Komödie dasjenige anwenden könne,was Cicero von dem Werth einer Rede gegen den Brutus behauptet, railrlikex, sagt er, quill hu-leris »mnlius? Vl-Iecl^liir auüiens muIiUuUo >k?ilucilur vr-Uione <S <luasi votunlale ilukitüm pvrkmxIUui-. guid I,sbe» <l»o>tilisnules? «ZauSet, aolet, riilel, xlvr-U, ksvet, »>Mt, conlemnit, jnviilel,»>! miseriUionem iulwoilur, scl pu<Ien<I»m, sa nixs»aum, irslcilur, niirii-lur, snerat, limel: daee nrvinue acciuuiU, ut eorum, qui sitsunt, menlesverbis <5 senleiuiis <5 actione trsvlantur. «ZuM vtt quoll expectelur itocltiMeu^us rviitenlw? guvil enim prolist mulliluuo, uoc iclem ilodis vrokan-«Mm eN. venique I,oc specimeil vtt novulsris Mllicii, w quo nunqusmsuit ponulo euni äoetis intelligeiiUbusnue üiskensio. t?/c. in vruto p. ÜL9. 5.euil. Llüev.
°° In der Note zu dem ersten Verse der Dichtkunst.Lesfings Werk- iv. 10