146 Theatralische Bibliothek.
»lödic sagen, daß sie nützlich seyn könne und müsse. DaS erstere, dieErgötzuug nehmlich, wird theils durch den Inhalt der Fabel selbst,theils durch die neuen, abwechselnden und mit den Personen überein-stimmenden Charaktere, erlangt. Und zwar durch den Inhalt; erstlich,wenn die Erwartung sowohl erregt als unterhalten wird; und her-nach, wenn ihr auf eine ganz andere Art ein Genüge geschieht, alses Anfangs das Ansehen hatte, wobey gleichwohl alle Regeln derWahrscheinlichkeit genau beobachtet werden müssen. Dieses hat so ge-wiß seine Richtigkeit, daß weder eine wahre noch eine erdichtete Be-gebenheit, wann sie für sich selbst auch noch so wunderbar wäre, aufder Bühne einiges Vergnügen erwecken wird, wenn sie nicht zugleichauch wahrscheinlich ist.
kekpieeio exem^Iar vitoe mornm^ne judolio
Doctuin imitatorem.Bey jeder Erdichtung nehmlich verursacht nicht so wohl die Fabelselbst, als vielmehr das Genie und die Kunst, womit sie behandeltwird, bey den Zuschauern das Vergnügen. „Denn derjenige, sagt„Wehrenfels, ° erlangt einen allgemeinen Beyfall, derjenige ergötzt„durchgangig, welcher alle Personen, Sitten und Leidenschaften, die„er auf der Bühne vorstellen will, vollkommen, und so viel möglich,„mit lebendigen Farben abschildert; welcher die Aufmerksamkeit der„Zuhörer zu fesseln, und ihrem Busen alle Bewegungen mitzutheilen„weis, die er ihnen mitzutheilen für gut befindet." Denn nicht nurdeswegen gefällt die Komödie, weil sie andrer abgeschmackte und lä-cherliche Handlungen, den Augen und Gemüthern darstellet; (denndieses thut eine jede gute Satyre) sondern auch weil sie eine einfacheund für sich selbst angenehme Begebenheit so abhandelt, daß sie überalldie Erwartung des Zuschauers unterhält, und durch dieses UnterhaltenVergnügen und Beyfall erwecket. Denn wie hätten sonst fast alleStücke des Terenz, so viel wir deren von ihm übrig haben, undauch ciuige des plautus, als zum Exempel die Gefangnen, in wel-chen durch die Darzwischenkuuft eines Simo, eines Ehremes, einesPhädria, eines Hegio, ein großer Theil derselben, nicht nur nichtscherzhaft, sondern vielmehr ernsthaft wird; wie hätten sie, sage ich,sonst gefallen können? Wenn nun aber zu dem Ergötzen nicht noth-wendig eine lächerliche Handlung erfordert wird; wenn vielmehr eine° In anacsiihrtcr Ncdc S. ?67.