tZ0 Theatralische Bibliothek.
häufig als möglich seyn möchten, gesetzt auch, daß uns nicht so wohlder Reitz der Tugend, als die Betrachtung der Nützlichkeit, diesenWunsch abzwinget; und alles was der menschlichen Natur in einemsolchen Bilde rühmliches beygeleget wird, das glauben wir, werde unsselbst beygelegt. Naher kömmt es, daß die guten Charaktere, ob siegleich noch so vollkommen sind, und alle Beyspiele übertreffen, in derMeinung die wir von unsrer eignen Vortreflichkcit, und von der Nütz-lichkeit der Tugend haben, ihre Vertheidigung finden. Wenn nun alsodiese Charaktere schon des Vergnügens wegen, welches sie verursachen,billig in dem Lustspiele können gebraucht werden, so hat man nochweit mehr Ursache, sie in Betrachtung ihrer Nützlichkeit anzuwenden.Die Abschilderungcn tadclhaflcr Personen zeigen uns bloß das Unge-reimte, das Verkehrte und Schändliche; die Abschilderungcn guterPersonen aber zeigen uns daS Gerechte, das Schöne und Löbliche.Jene schrecken von den Lastern ab z diese feuern zu der Tugend an,und ermuntern die Zuschauer, ihr zu folgen. Und wie es nur etwasgeringes ist, wenn man dasjenige, was übel anstehet, kennet, und sichvor demjenigen hüten lernet, was uns dem allgemeinen Tadel aussetzt;so ist es Gegentheils etwas sehr großes und ersprießliches, wenn mandas wahre Schöne erkennt, und gleichsam in einem Bilde sieht, wieman selbst beschaffen seyn solle. Doch diese Kraft haben nicht alleindie Reden, welche den guten Personen beygelegt werden; sondern auchdasjenige, was in dem Stücke löbliches von ihnen verrichtet und unsvor die Augen gcstcllet wird, giebt uns ein Beyspiel von dem, wasin dem menschlichen Leben schön und rühmlich ist. Wenn also schondergleichen Schauspiele, dem gewöhnlichen und angenommenen Ge-brauche nach, sich mit Recht den Namen der Komödien nicht anmaa-ßen können; so verdienen sie doch wenigstens die Freyheilen und Vor-züge der Komödie zu genießen, weil sie nicht allein ergötzen, sondernauch nützlich sind, und also denjenigen Dramatischen Stücken beigezehltwerden können, welche Wehrenfels/ am angeführten Orte, mit fol-genden Worten verlangt. „Endlich sollen unsre Komödien so beschaf-fen seyn, daß sie Plato in seiner Rcpublick dulden, Cato mit Ver-gnügen anhören, Vcstalinnen ohne Verletzung ihrer Keuschheit sehen,„und was das vornehmste ist, Christen aufführen und besuchen kön-„nen." Diejenigen wenigstens, welche Komödien schreiben wollen, wer-den nicht übel thun, wenn sie sich unter andern auch darauf befleißt-