Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
151
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Abhandlung für das rührende Lustspiel. 16 l

gen, daß ihre Stücke eine stärkere Empfindung der Menschlichkeit er-regen, welche so gar mit Thränen, den Zeugen der Rührung, beglei-tet wird. Denn wer wird nicht gerne manchmal auf eine solche Artin Bewegung gesetzt werden wollen; wer wird nicht dann und wanndiejenige Wollust, in welcher das ganze Gemüth gleichsam zerfließt,derjenigen vorziehen, welche nur, so zu reden, sich an den äußern Flä-chen der Seele aufhält? Die Thränen, welche die Komödie auspresset,sind dem sanften Regen gleich, welcher die Saaten nicht allein erquickt,sondern auch fruchtbar macht. Dieses alles will ich nicht darum an-geführt haben, als ob jene alte fröhliche Komödie ans ihrem rechtmä-ßigen Besitze zu vertreiben wäre; (sie bleibe vielmehr ewig bey ihremAnsehen und ihrer Würde!) sondern bloß darum, daß man diese neueGattung in ihre Gesellschaft aufnehmen möge, welche, da die gemeinenCharaktere erschöpft sind, neue Charaktere, und also einen reichern Stofzu den Fabeln darbiethet, und zugleich die Art des Vertrags ändert.Wenn es Leute giebt, welche nur deswegen den Komödien beywohnenwollen, damit sie in laute Gelächter ausbrechcn können, so weis ich ge-wiß, daß sich die Terenze und die Desrouches wenig um sie beküm-mern werden. Denjenigen aber zu mißfallen, welche nichts als eineausgelassene und wilde Possenlust vergnügt, wird wohl keine allzugrosseSchande seyn. Es werden auch nach uns einmal Richter kommen;und auch auf diefc sollten wir sehen. Flaccus hat schon einmal seinkritisches Ansehen gebraucht, und den Ausspruch gethan:

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I>iMiIsvei'«z lalos; nimlurn pstieutor uti'umcjuellleam 8tulte) mirati.Vielleicht werden sich auch einmal welche finden, die uns darum ta-deln, daß wir bey Aniichmung des rührenden Lustspiels, uns allzuun-leidlich, ich will nicht sagen, allzuhartnäckig erwiesen haben.

So weit der Hr. Prof. Gellerc! Ich würde meinen Lesernwenig zutrauen, wenn ich nicht glaubte, daß sie es nunmehrvon selbst wissen könnten, auf welche Seite die Wage denAusschlag thue. Zch will zum Ucbcrflussc, alles, was man fürund wider gesagt hat, in einige kurze Sätze bringen, die manauf einmal übersehen kann. Ich will sie so einrichten, daß sie,