152 Theatralische Bibliothek.
wo möglich, alles Mißverständnis) heben, und alle schweifendeBegriffe in richtige und genaue verwandeln.
Anfangs muß man über die Erklärung der rührenden oderweinerlichen Komödie einig werden. Will mau eine solche dar-unter verstanden haben, welche hier und da rührende und Thrä-nen auspressende Scenen hat; oder eine solche, welche aus nichtsals dergleichen Scenen besteht? Meinet man eine, wo mannicht immer lacht, oder wo man gar nicht lacht? Eine, wocdle Charaktere mit ungereimten verbunden sind, oder eine, wonichts als edle Charaktere vorkommen?
Wider die erste Gattung, in welcher Lachen und Rührung,Scherz und Ernst abwechseln, ist offenbar nichts einzuwenden.Ich erinnere mich auch nicht, daß man jemals darwicdcr etwashabe einwenden wollen. Vernunft und Beyspiele der alten Dich-ter vertheidigen sie. Er, der an Scherz und Einfällen der reichsteist, und Lachen zu erregen nicht selten Witz und Anständigkeit,wie man sagt, bey Seite gesetzt hat, Plantus hat die Gefan-gnen gemacht und, was noch mehr ist, dem Philemcm seinenSchau,, unter der Aufschrift iLrinnmmus abgcborgt. In bey-den Stücken, und auch in andern, kommen Auftritte vor, dieeiner zärtlichen Seele Thränen kosten müssen. Zm Molicreselbst, fehlt es an rührenden Stellen nicht, die nur deswegenihre völlige Wirkung nicht thun können, weil er uns das La-chen allzugewöhnlich macht. Was man von dem schlcinigcnUcbcrgange der Seele von Freude auf Traurigkeit, und vondem unnatürlichen desselben gesagt hat; bctrift nicht die Sacheselbst, sondern die ungeschickte Ausführung. Man sehe dasExempel, welches der Franzose aus dem Schauspiele, Simson,anführt. Freylich muß der Dichter gewisse Staffeln, gewisseSchattirungen beobachten, und unsre Empfindungen niemals ei-nen Sprung thun lassen. Von einem Acusserstcn plötzlich ausdas andre gerissen werden, ist ganz etwas anders, als von ei-nem Aeusscrstcn allmälig zu dem andern gelangen.
Es muß also die andre Gattung seyn, über die man haupt-sächlich streitet; diejenige nehmlich, worinnc man gar nichtlacht, auch nicht einmahl lächelt; worinnc man durchgängigwcich gemacht wird. Und auch hier kan man eine doppelte