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Theatralische Bibliothek.
schildert, welche zum Lache» bewege», es mag dieses Lachen »u»ein nützliches oder ein sinnloses Lachen seyn. Edle Gesinnun-gen, ernsthafte Leidenschaften, Stellungen, wo sich die schöneNatur in ihrer Stärke zeigen kann, bleiben aus demselben ganzund gar weg; und wenn es ausserdem auch noch so regelmäßigist, so wird es doch in den Augen strenger Kunstrichtcr dadurchnoch lange nicht zu einer Komödie. Worinne wird also dieandre Abweichung bestehen? Ohnfchlbar darinne, wenn mannichts als Tugenden und anständige Sitten, mit keinen andernals solchen Zügen schildert, welche Bewunderung und Mitleiderwecken, beydes mag nun einen Einfluß auf die Bcßrung derZuhörer haben können, oder nicht. Lebhafte Satyre, lächerlicheAusschweifungen, Stellungen, die den Narren in seiner Blößezeigen, sind gänzlich aus einem solchen Stücke verbannt. Undwie wird man ein solches Stück nennen? Jedermann wird mirzuruffcn: das eben ist die weinerliche Komödie! Noch einmalalso mit einem Worte; das Possenspiel will nur zum Lachenbewegen; das weinerliche Lustspiel will nur rühren; die wahreRomövie will beydes. Man glaube nicht, daß ich dadurch diebeyden erster» in eine Klasse setzen will; es ist noch immer derUnterscheid zwischen beyden, der zwischen dem Pöbel und Leu-ten von Stande ist. Der Pöbel wird ewig der Beschützer derPossenspiclc bleiben, und unter Leuten von Stande wird esimmer gezwungne Zärtlinge geben, die den Ruhm empfindlicherSeelen auch da zu behaupten suchen, wo andre ehrliche Leutegähnen. Die wahre Komödie allein ist für das Volk, und al-lein fähig einen allgemeinen Beyfall zu erlangen, und folglichauch einen allgemeinen Nutzen zu stiften. Was sie bey dem ei-nen nicht durch die Schahm erlangt, das erlangt sie durch dieBewunderung; und wer sich gegen diese verhärtet, dem machtsie jene fühlbar. Hieraus scheinet die Regel des Contrastsoder der Absteckung, geflossen zu seyn, vermöge welcher mannicht gerne eine Untugend aufführt, ohne ihr Gegentheil mitanzubringen; ob ich gleich gerne zugebe, daß sie auch darinnegegründet ist, daß ohne sie der Dichter seine Charaktere nichtwirksam genug vorstellen könnte.
Dieses nun, sollte ich meinen, bestimme den Nutzen der