Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
158
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158 Theatralische Bibliothek.

Hier machte er eben so wenig als auf der Schule eine grosseFigur; seine Mitschüler dachten sehr verächtlich von ihm, unddie Lehrer selbst, unter welchen er stndirtc, hatten keinen bessernBcgrif von seiner Fähigkeit, als ihre Untergebenen. Nachdemer endlich die philosophischen Klassen durchgegangen war, warder als ein Candidat des h. Prcdigtamts, in das theologischeKollegium aufgenommen, in welchem die Studierenden sechsZahr verziehen müssen, ehe sie ihre Probe ablegen dürfen.

Er war zwey Zahr in diesem theologischen Collcgio, dessenProfessor damals Hr. William -Hamillon als ihm vondiesem eine Rede über die Macht des höchsten Wesens auszuar-beiten, aufgetragen ward. Als es seine Mitschüler erfuhren,hielten sie sich nicht wenig über die schlechte Bcurthcilungskraftdes Professors auf, eine so fruchtbare Materie einem jungenMenschen aufzugeben, von dem man sich ganz und gar nichtsversprechen konnte. Doch als Herr Thomson seine Rede ab-legte, fanden sie Ursache, sich ihre eigene schlechte Beurthcilungs-kraft vorzuwerfen, daß sie einen Menschen verachtet hatten, derdem größten Genie unter ihnen überlegen war. Diese Redewar so erhaben, daß sowohl der Professor als die Studierenden,welche sie halten hörten, darüber erstaunten. Sie war in reim-losen Versen abgefaßt, welches aber Hr. -Hamilton daran aus-setzte, weil es sich zu dieser Materie nicht schicke. Verschicdncvon den Mitgliedern des Collegii, welche ihm den durch dieseRede erlangten Ruhm nicht gönnten, glaubten, er müßte einengelehrten Dicbstahl begangen haben, und gaben sich daher alleMühe, ihn zu entdecken. Doch ihr Nachforschen war vergebens,und Hr. Thomson blieb in dem unverkürzten Besitze seinerEhre, so lange er sich auf der Universität aufhielt.

Man weis eigentlich nicht, warum Herr Thomson denVorsatz, in das heilige Prcdigtamt zu treten fahren ließ. Viel-leicht glaubte er, dieser Stand sey zu strenge, als daß er sichmit der Freyheit seiner Neigung vertragen könne; vielleicht fühlteer sich auch selbst und glaubte, daß er sich, in Ansehung seinerGaben, auf etwas grössers Rechnung machen könnte, als einPrcsbytcrianischcr Geistlicher zu werden: denn selten pflegt sichein grosses Genie mit einer dunkeln Lebensart, und mit einer