Leben des Herrn Jacob Thomson. 165
Es ist nunmchr Zeit den Hrn. Thomson auf derjenige»Seite zu betrachten, welche mit unsrer Absicht eine nähere Ver-wandtschaft hat; nehmlich auf der Seite eines dramatischen Dich-ters. Zm Zahre 1730, ungefehr in dem sechsten Zahre seinesAufenthalts in London , brachte er seine erste Tragödie, unterdem Titel Sophonisbe , auf die Bühne, die sich auf die Kar-thaginensische Geschichte dieser Prinzcßin gründet, welche derbekannte Natbanael A.ee gleichfalls in ein Trauerspiel gebrachthat. Dieses Stück ward von dem Publico sehr wohl aufge-nommen. Die Mad. Glöfield that sich in dem Eharactcr derSophonisbe ungcmcin hervor, welches Hr. Thomson selbst inseiner Vorrede gestehet. „Ehe ich schliesst, sagte er, muß ich„noch bekennen, wie sehr ich denjenigen, welche mein Trauer-spiel vorgestellt haben, verbunden bin. Sie haben in der„That mir mehr als Gerechtigkeit wicdcrfahrcn lassen. Was ich„deM Masinissa nur liebenswürdiges und einnehmendes gegeben„hatte, alles dieses hat Hr. Milk vollkommen ausgedrückt. Auch„die Mad. GlöfielS hat ihre Sophonisbe unverbesserlich ge-spielt; schöner als es der zärtlichste Eigensinn eines Verfassers„verlangen, oder sich einbilden kann. Der Reiß, die Würde„und die glückliche Abwechslung aller ihrer Stellungen und Be-legungen hat den durchgängigsten Beyfall erhalten, lind ihn„auch mehr als zu wohl verdient.
Bey der ersten Vorstellung dieses Trauerspiels fiel eine kleinelächerliche Begebenheit vor. Hr. Thomson läßt eine von seinenPersonen gegen die Sophonisbe folgende Zeile sagen:
G Sophonisbe, Sophonisbe V!Diese Worte waren kaum ausgesprochen, als ein Spötter ausdem Parterre laut schrie:
O Iacob Thomson, Iaeob Thomson <v!So ungesittet es nun auch war, die Vorstellung durch einen solächerlichen Einfall zu unterbrechen, so kann man doch das falschPathetische dieser getadelten Zeile nicht leugnen, und ein tra-gischer Dichter muß es sich zur Warnung dienen lassen, ja wohlauf sich Acht zu haben, daß er nicht schwülstig wird, wenn ererhaben seyn will - - Hr. Thomson mußte nothwendig an demersten Tage seines Trauerspiels alle die Bewegungen und Bc-