Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
178
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Theatralische Bibliothek,

trachtungen. Gleich das erste Hauptstuck untersucht, ob esroahr sey, daß es vortreflichcn Schauspielern an Mirze ge-fehlt habe? Man glaubt zwar fast durchgängig, daß man sichauch ohne Witz auf der Bühne Ruhm erwerben könne; alleinman irrt gewaltig. Kann ein Schauspieler wohl in seinerKunst vortrcflich seyn, wenn er nicht, in allen vcrschicdncn Stel-lungen mit einem geschwinden und sichern Blicke dasjenige, wasihm zu thun zukömmt, zu erkennen vermag? Eine feine Em-pfindung dessen, was sich schickt, muß ihn überall leiten.Dochnicht genug, daß er alle Schönheiten seiner Rolle faßt. Ermuß die wahre Art, mit welcher jede von diesen Schönheitenauszudrücken ist, unterscheiden. Nicht genug, daß er sich bloßin Affcct setzen kann; man verlangt auch, daß er es niemalsals zur rechten Zeit, und gleich in demjenigen Grade thue,welchen die Umstände erfordern. Nicht genug, daß sich seineFigur für das Theater schickt, daß sein Gesicht des Ausdrucksfähig ist; wir sind unzufrieden, wenn sein Ausdruck nicht be-ständig und genau mit den Bewegungen zusammen trist, dieer uns zeigen soll. Er muß nicht bloß von der Stärke undFeinheit seiner Reden nichts lassen vcrlohrcn gehen; er mußihnen auch noch alle die Annehmlichkeiten leihen, die ihnenAussprache und Aktion geben können. Es ist nicht hinrei-ßend, daß er bloß seinem Verfasser treulich folgt; er muß ihmnachhelfen; er muß ihn unterstützen. Er muß selbst Verfasserwerden; er muß nicht bloß alle Feinheiten seiner Rolle aus-drücken; er muß auch neue hinzuthun; er muß nicht bloßausführen, er muß selbst schaffen. Ein Blick, eine Bewegungist zuweilen in der Komödie ein sinnreicher Einfall, und inder Tragödie eine Empfindung. Eine Wendung der Stimme,ein Stillschweigen, die man mit Kunst angebracht, haben zu-teilen das Glück eines Verses gemacht, der nimmermehr dieAufmerksamkeit würde an sich gezogen haben, wenn ihn einmittelmäßiger Schauspieler, oder eine gemeine Schauspielerinausgesprochen hätte. - - Der Witz ist ihnen also eben so un-umgänglich nöthig, als der Steuermann dem Schiffe. Einelange Erfahrung auf der Bühne kann zwar dann nnd wannden Mangel desselben verbergen, und ein Schauspieler ohne