Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

Auszug aus dem Schauspielcr.

179

Witz kan andre Gaben in einem hohen Grade haben, lind sieoft zufälliger Weise so glücklich anwenden, daß wir ihm Bey-fall geben müssen. Doch es währt nicht lange, so erinnert unswieder ein Mißverstand in dem Tone, in der Bewegung, in demAusdrucke des Gesichts, daß wir seiner Organisation, und nichtihm den Beyfall schuldig sind.--Sonst hat man noch be-merkt, daß man die tragischen Schauspieler weit öftrer, als diekomischen des Mangels am Witze beschuldiget hat. Dieser Un-terschied kömmt ohne Zweifel daher, weil das Feine in demSpiele der letzter» von den gemeinen Zuschauern leichter kannerkannt werden, als das Feine in dem tragischen Spiele. DerWitz in der Tragödie muß sich größten Theils, sowohl bey demVerfasser als bey dem Actcur, unter der Gestalt der Empfin-dung zeigen, und man hat Mühe ihn unter dieser Verkleidungzu erkennen. Und überhaupt geht man nicht sowohl in die Tra-gödie seinen Witz, als sein Herz zu brauchen. Man überläßtsich den Bewegungen, die der Schauspieler erweckt, ohne zu

überlegen, durch welchen Weg er dazu gelangt ist.--Man

muß aber nur hier merken, von was sür einem Witze die Redeist. An dem leichten Witze, welcher nur zur Prahlcrcy dienet,und nns nur in Kleinigkeiten und unnützen Dingen ein Anse-hen giebt, kann es ganz wohl grossen Schauspielern gemangelthaben: aber niemals an dem gründlichen Witze, welcher unsdas verborgenste an einem Dinge entdeckt, und es uns anzu-wenden lehret Von dem Witze kommt der Verfasser imzweien Hauprstücke auf die Empfindung. Er untersucht,rvas die Empfindung se)?, und ob sie bc/ dem tragischenSchauspieler wichtiger se>', als be^ dem komischen- Unterder Empfindung wird hier nicht bloß die Gabe zu weinen ver-standen, sondern dieses Wort hat einen grössern Umfang, undbedeutet bey den Schauspielern die Leichtigkeit in ihren Seelendie verschiedenen Leidenschaften, deren ein Mensch fähig ist, aufeinander folgen zu lassen. Aus dieser Erklärung ist das übrigezu entscheiden. Zn den Bezirk des Trauerspiels gehören nursehr wenig Leidenschaften, Liebe, Haß, Ehrgcitz, welche nochdazu in dem Schrecklichen und Traurigen alle mit einander über-einkommen. Die Komödie hingegen schließt keine einzige Lei-

12«