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4 (1838)
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Theatralische Bibliothek.

scn; wir bleiben gleichwohl in der vollkommensten Ruhe. Einandrer wird von der lebhaftesten Freude entzückt, wir aber lc-gcn unsern Ernst deswegen nicht ab. Nur die Thränen, wennes auch schon Thränen einer Person sind, die uns gleichgültigist, haben fast immer das Vorrecht uns zu rühren. Da wiruns zur Mühe und zum Leiden gcbohrcn wissen, so lesen wirvoll Traurigkeit unsere Bestimmung in dem Schicksale der Un-glücklichen, und ihre Zufälle sind für uns ein Spiegel, inwelchem wir mit Verdruß das mit unserm Stande verknüpfteElend betrachten. - - Dieses bringt den Verfasser auf eine kleineAusschweifung, welche viel zu artig ist, als daß ich sie hierübergehen sollte. - -Es ist nicht schwer, spricht er, von unsrerLeichtigkeit uns zu betrüben einen Grund anzugeben. Alleindesto schwerer ist es die Natur desjenigen Vergnügens eigent-lich zu bestimmen, welches wir, bey Anhörung einer Tragödie,aus dieser Empfindung ziehen. Daß man in der Absicht vordie Bühne geht, diejenigen Eindrücke, welche uns fehlen, da-selbst zu borgen, oder uns von denjenigen, die uns mißfallen,zu zerstreuen, darüber wundert man sich gar nicht. Das aber,worüber man erstaunt, ist dieses, daß wir oft durch die Be-gierde Thränen zu vergießen dahin geführt werden. Unterdes-sen kann man doch von dieser wunderlichen Neigung vcrschicdneUrsachen angeben, und die Schwierigkeit dabey ist bloß, dieallgemeinste davon zu bestimmen. Wenn ich gesagt habe, daßdas Unglück andrer ein Spiegel für uns sey, in welchem wirdas Schicksal, zu dem wir vcrurthcilct sind, betrachten, sohätte ich einen Unterscheid dabey machen können. Dieser Un-terschied kann hier seine Stelle finden, und er wird uns einevon den Quellen desjenigen Vergnügens, dessen Ursprung wirsuchen, entdecken. Der Anblick eines fremden Elends ist füruns schmerzlich, wenn es nehmlich ein solches Elend ist, demwir gleichfalls ausgesetzt sind. Er wird aber zu einer Tröstung,wenn wir das Elend nicht zu fürchten haben, dessen Abschil-dcrung er uns vorlegt. Wir bekommen eine Ar/ von Erleich-terung, wenn wir sehen, daß man in demjenigen Stande,welchen wir beneiden, oft grausamen Martern ausgesetzt sey,für die uns unsre Mittelmäßigkeit in Sicherheit stellet. Wir