Auszug aus dem Schauspiclcr.
Theater noch immer Prinzen zu seyn sich einbilden. Auch nichtdas Vorurthcil einiger von ihnen, welche große Acteurs den al-lergrößten Männern gleich schätzen, und lieber gar behauptenmöchten, es sey leichter ein Held zu seyn, als einen Helden gutvorzustellen. Die Hoheit der Seele, von welcher hier geredetwird, besteht in einem cdcln Enthusiasmo, der von allem wasgroß ist in der Seele gewirkt wird. Dieser ist es, welcher dievortrcflichen tragischen Schauspiclcr von den mittelmäßigen un-terscheidet, und sie in den Stand setzt, das Herz des gemeinstenZuschauers mit Bewegungen zu erfüllen, die er sich selbst nichtzugetrauet hätte - - Mit diesem Enthusiasmo, welcher für die-jenige Person gehöret, die Bewunderung erwecken soll, muß der-jenige Theil der iLmpfinSung verbunden werden, welchen dieFranzosen unter dem Namen des Eingerveiöes (ä'LtttrinIIos)verstehen, wenn eben dieselbe Person unser Mitleiden erregenwill. Hiervon handelt das dritte -Hauptsiück. „Wollen die„tragischen Schauspiclcr, sagt dcr Verfasser, uns täuschen; so„müssen sie sich selbst täuschen. Sie müssen sich einbilden, daß„sie wirklich das sind, was sie vorstellen; eine glückliche Rasc-„rcy muß sie überreden, daß sie selbst diejenigen sind, die man„verräth, die man verfolgt. Dieser Irrthum muß aus ihrer„Vorstellung in ihr Herz übergehen, und oft muß ein eingebil-detes Unglück ihnen wahrhafte Thränen auspressen. Alsdann„sehen wir in ihnen nicht mehr frostige Komödianten, welche„uns durch gelernte Töne und Bewegungen für eingebildete Be-gebenheiten einnehmen wollen. S« werden zu uinnnschränktcn„Gebiethen, über unsre Seelen; sie werden zu Zaubrcrn, die„das unempfindlichste empfindlich machen können - - Und dieses„alles durch die Gewalt dcr Traurigkeit, welche Leidenschaft„eine Art von epidemischer Krankheit zu seyn scheinet, deren„Ausbreitung eben so schnell als erstaunlich ist. Sie ist von„den übrigen Krankheiten darinne untcrschicdcn, daß sie sich„durch die Augen und durch das Gehör mittheilet; wir brau-„chcn eine mit Grund wahrhaft betrübte Person nur zu sc-„hcn, um uns zugleich mit ihr zu betrüben. Dcr Anblick der„andern Leidenschaften ist so ansteckend nicht. Es kann sich ein„Mensch in unsrer Gegenwart dem allerheftigstcn Zorne überlas-