Auszug aus dem Schauspieler.
und den Schauspieler lehren, sich ihrer so zu bedienen, wie essich für seine Rolle schickt. Sie kann ihn zum Exempel lehren,daß das edle Komische wenigere heftige Gcstus erfordert, alsdas niedrig Komische; und das Tragische noch wenigere, alsdas edle Komische. Die Ursache hiervon ist leicht zu errathen.Die Natur nehmlich macht, wenn sie sich selbst gelassen ist,weit unmäßigere Bewegungen, als wenn sie von dem Zaumeder Erziehung, oder von der Ernsthaftigkeit eines zu beobachten-den Ansehens zurück gehalten wird. Was die andre Art derGcstus anbelangt, so müssen sie wenigstens eine Art des Aus-druckes haben; sie müssen nicht studirt seyn, und müssen oftabgewechselt werden. Bey denjenigen komischen Rollen, beywelchen man gewisser Maasscn die Natur nicht vor sich habenkann, dergleichen die erdichteten Rollen der itrispins, der Pour-ceaugnacs und andre sind, thut man wohl, wenn man seinenVorgänger in denselben, dessen Art Beyfall gefunden hat, soviel wie möglich nachahmt. Vielleicht ist es gut, wenn manmanchmal auch sogar dessen Fehler nachahmt, um den Zuschauerndie Action desto wahrer scheinen zu lassen.
Von der Action kömmt nunmehr der Verfasser in dem vier-ten -Hanptstücke auf die Recitation unv Verselbc» Mahrheit.Nach einigen Stellen bey den Alten muß man glauben, daßsie die Deklamation ihrer dramatischen Werke nach Noten ab-gemessen haben. Wenn dieses harmonische Noten gewesen sind,so haben sich ihre Schauspieler in eben den Umständen befunden,in welchen sich die heutigen Opcrsängcr in Ansehung der Reci-tative befinden, allein die Wahrheit der Recitation kann dabcynichts gewonnen haben, weil die Musik keine an und vor sichbestimmten Mittel hat, die vcrschicdncn Leidenschaften auszu-drücken. Sollen aber diese Noten bloß die Töne der gemeinenUnterredung angegeben haben, wie der Abt du Bos behauptet,so muß man voraussetzen, daß sich dergleichen Töne, in Acr-glcichung mit andern gegebenen Tönen wirklich ausdrücken lassen,und daß jede Empfindung nur einen Ton habe, welcher ihr ei-gentlich zukomme. Allein beydes ist falsch. Die verschicdnenVeränderungen der Stimme, welche aus einerley Eindrücken ent-stehen, haben zwar mit einander etwas gemein; allein sie sind
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