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Theatralische Bibliothek.
non, indem er dieses zu seiner Tochter gesagt, die Augen gewißwird abgewendet haben, damit sie den tödlichen Schmerz, dersein Herz zerfleischte, nicht darinne lesen möge. Die Schwierig-keit alle kleine Schattirungcn zu bemerken, aus welchen die Wahr-heit der Action bestehet, zeigt sich besonders in den verwickel-ten Stellungen. Der Verfasser verstehet unter dieser Benennungdiejenigen Stellungen, in welchen die Person entgegengesetztenAbsichten ein Genüge thun muß. Zn diesem Falle ist Isabellein der Männcrschule, wenn sie sich zwischen dem Sganarelleund valere befindet, und den einen umfaßt indem sie dem an-dern die Hand giebt, und zu dem einen etwas spricht, was sichder andre annehmen soll. Die Schauspielerin, die dieses spielt,hat sehr viel Genauigkeit anzuwenden, damit ihr die Zuschauerweder allzuwcnigc Vorsicht in Ansehung ihres Eifersüchtigen,noch allzuwenig Zärtlichkeit gegen ihren Liebhaber Schuld ge-ben können.
Zn dem dritten -Hauptstücke betrachtet der Verfasser diezwey vornehmsten Stücke der Action; die Minen nehmlich unddie Gcstus. Beyde müssen hauptsächlich wahr seyn. Der Schau-spieler muß die Leidenschaften nicht allein in seinem Gesichteausdrücken, sondern er muß sie auch lebhaft ausdrücken können.Nur muß es nicht so weit gehen, daß er sein Gesicht dadurchverstellet. Gemeiniglich aber fällt man in diesen Fehler nuralsdcnn, wenn man nicht wirklich, nachdem es die Stellungder Person erfordert, aufgebracht oder gerührt ist. Empfindetman wirklich eine von diesen beyden Eindrücken, wie man sieempfinden soll, so wird sie sich ohne Mühe in den Augen ab-mahlen. Muß man aber seine Seele erst mit aller Gewaltaus ihrem Todcnschlafe rcisscn, so wird sich der innere gewalt-same Zustand auch in dem Spiele und in den Minen verrathen.— — Die Gcstus theilt der Verfasser in zwey Arten; einige,spricht er, haben eine bestimmte Bedeutung, andre aber dienenbloß die Activ» zu bclcbcn. Die crstcrn sind nicht willkührlich,sondern sie machen eine gewisse Sprache aus, die wir alle re-den, ohne sie gelernt zu haben, und durch die uns alle Natio-nen verstehen können. Die Kunst kann sie weder deutlicher nochnachdrücklicher machen; sie kann sie aufs höchste nur ausputzen,