Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
193
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Auszug m,S dcm Schauspieler. 193

wescn wären, sich darnach zu prüfen. Noch weniger Stümperaber würden wir sehen, wenn diejenigen die diese Prüfung vor-genommen, und darinnc bestanden haben, nicht geglaubt hätten,daß sie nunmehr schon vollkommnc Schauspieler wären, undnichts mehr als diese natürlichen Vorzüge nöthig hätten, umden Beyfall der Zuschauer zu erzwingen. Sie mögen sich janicht bekriegen; sie haben aufs höchste nur die Anlage von dem,was sie seyn müssen, und wenn sie sich nicht durch Kunst undFleiß ausarbeiten wollen, so werden sie zeitlebens auf dem hal-ben Wege stehen bleiben. Wie dieses aber geschehen müsse undworaus sie insbesondere zu sehen haben, handelt unser Verfasserin seinem zweyten Theile ab, welcher, ohne einige Uutcrab-theilungcu, aus neunzehn Hauptstückcn besteht, deren Inhaltich gleichfalls anzeigen will.

Das erste -Hauptstnck untersucht roorinne die Wahrheitder Vorstellung bestehe? Diese Wahrheit bestehet in dcmZusammenfluß«: allcr Wahrscheinlichkeiten, welche den Zuschauerzu bctricgcn geschickt sind. Sie theilen sich in zwey Klassen.Die einen entstehen aus dcm Spiele des Akteurs; und die an-dern aus gewissen Modifikationen des Schauspielers, in Ansehungseiner Verkleidung oder der Auszicrung des Orts, wo cr spielt.Die Wahrscheinlichkeiten von der ersten Art gehören vornehmlichhierher, und bestehen in der genauen Beobachtung alles dessen, wassich geziemt. Das Spiel des Actcurs ist nur alsdann wahr,wenn man alles darmnc bemerkt, was sich für das Alter, fürden Stand, für den Charakter und für die Umstände der Per-son, die cr vorstellt, schicket. Diese Wahrheit aber theilt sich indie Wahrheit der Action, und in die Wahrheit der Recitation.

Von der ersten handelt das zweyte Hauprstäck. Diese Wahr-heit ist oft diejenige gar nicht, welche dcm Schauspieler zuerstin die Gedanken kömmt. Agamemnon zum Exempel, (Iphi-genia Aufz. II. Aufr. 2.) als ihn Zphlgenia fragt, ob cr ihrerlauben werde, dcm Opfer, das er vorhabe, beyzuwohnen, ant-wortet ihr: Du bist dabey, mein Tochter. Ncrschicdne Schau-spieler glauben diese Stellung recht pathetisch auszudrücken, wennsie Blicke voll Zärtlichkeiten auf Zphigcnicn heften, allein dieseAction ist ganz wider die Wahrscheinlichkeit, weil Agamem-

L-siliigS Merk- IV. 1Z