^<lQ,!V>:^
;>« .
192 Theatralische Bibliothek.
bar ist, wird doch mit Recht getadelt, wenn es diejenige Per-son, die es vorstellen soll, älter macht. Eben so wird uns auchein Schauspieler, wenn er auch sonst noch so vollkommen spielt,nur mittelmäßig gefallen, wenn cr sür seine Rolle allzu alt ist.Es ist nicht genug, daß man uns Iphigcnicn nicht mit Run-zeln und den Zdricanincus nicht mit grauen Haaren zeiget; wirverlangen beyde in allen Rcitzungcn ihrer Jugend zu sehen.Einige Zahrc zwar kann der Actcur älter als seine Person seyn,weil cr uns alsdann, wenn cr diesen Unterscheid wohl zu ver-bergen weis, das Vergnügen einer doppelten Täuschung vcrschaft,welches wir nicht haben würden, wenn cr in diesem Falle nichtwäre. — — Dicscs ist zu deutlich, als daß dcr Verfasser nö-thig haben sollte vicl Wortc damit zu vcrschwcndcn. Er thutes auch nicht, sondern eilt mit dem crstcn Thcilc seines Werkszu Ende, indem cr nur noch ein kleines ^«uptstück, welchesdas vierte ist, und besonders die Mkgdcben und Sie Bedien-ten angehet, hinzu thut. Bey einigen Rollen ist es gut, wenndie Schauspielerinnen, welche die Mägdchcn vorstcllcn, nichtallzu jung mchr sind; bcy cinigcn abcr müssen sie nothwendigjnng seyn, oder wenigstens jung scheinen, um ihre Zugcud zueiner Art von Entschuldigung für dic unbcdachtsamcn Rcdcn,welche sie mcistcnlhcils führen, oder für die nicht allzuklugcnRathschläge, dic sic ihren Gcbicthcrinncn oft bcy Licbcshändelngeben, zu machen. Wenn abcr das Mägdchcn cbcn nicht alle-zeit jung scvn darf, so muß sic doch immcr einc ausscrordcnt-lichc Flüchtigkeit der Zunge besitzen. Diese Eigenschaft ist be-sonders in den Lustspielen des Rcgnards sehr nöthig, wo ohnedicsclhc bcy vcrschicdncn Rollen alle Anmuth wegfallt. Auchfordert man von dcn Mägdchcn eine schalkhafte Mine, und vonden Bedienten Geschwindigkeit und Hurtigkeit. Ein dicker Kör-per schickt sich daher für dic Bcdicntcn eben so wenig, als sichfür dic Mägdchcn das Stottern schicken würde.
Dicscs also wäre dcr Inhalt des ersten Theils. Er han-delt, wie man gcschcn hat, nichts andcrs ab, als dicjcnigcunatürlichen Gaben, ohne welche es nicht einmal möglich ist, eingutcr Schauspieler zu werden- Wie vicl häßliche Gegenständewürden wir unter ihnen entbehren, wenn sic alle so billig ge-