Auszug aus dem Schauspieler. 191
lcgnng will abhängen lassen. Bey den Liebhaberinnen ist dieseBedingung noch nothwendiger, als bey den Liebhabern. Es istzwar nicht eigentlich Schönheit, was sie besitzen müssen; sondernes ist etwas, was noch mehr als Schönheit ist, und welchesnoch allgemeiner und noch mächtiger auf die Herzen wirkt; esist ein ich weis nicht was, wodurch ein Frauenzimmer rcitzcndwird, und ohne welches sie nur umsonst schön ist; es ist einegewisse siegende Anmuth, welche eben so gewiß allezeit rührt,als es gewiß ist, daß sie sich nicht beschreiben läßt. — —Gleiche Bcwandniß hat es auch mit denjenigen Personen, welcheder Verfasser in Ansehung ihres Standes und ihrer Gesinnun-gen über das Gemeine hinaus setzt; ihre äusscrlichc Gestalt mußihre Rolle nicht erniedrigen. Obgleich die Natur ihre Gabennicht allezeit dem Glänze der Gcburth gemäß einrichtet, undobgleich oft mit einer sehr schlechten Physiognomie sehr ehrwür-dige Titel verbunden sind: so ist es uns doch zuwider, wennwir einen Schauspieler von geringen Ansehen eine Person vonStande vorstellen schein Seine Gestalt muß edel, und seineGcsichtsbildung muß sanft und glücklich seyn, wenn er gewißseyn will, Hochachtung und Mitleiden in uns zu erregen. Manweis in Paris noch gar wohl, was einem gewissen Schauspie-ler wicdcrfuhr, welcher seine Probe spielen sollte. Es fehlte ihmweder an Empfindung, noch an Witze, noch an Feuer; nursein äusscrlichcs war gar nicht heidenmäßig. Einsmals stellteer die Person des Mithridals vor, lind stellte sie so vor, daßalle Zuschauer mit ihm hätten zufrieden seyn müssen, wenn erlauter Blinde zu Zuschauern gehabt hätte. Zn dem Auftritte,wo Monime zu dem Könige sagt: -Herr, du änderst dein Ge-sicht, rüste ein Spottvogcl aus dem Parterre der Schauspiele-rin zu: Ä.aßt ihn doch andern. Auf einmal vcrlohr man alleGaben des Schauspielers aus den Augen, und dachte bloß undallein an die wenige Uebereinstimmung, die sich zwischen ihm
und seiner Person befände.--Zn dem dritten -Hauptstücke
kömmt der Verfasser auf das rvahre oder anscheinende Ver-hältniß, rvelches zwischen dem Alter des Schauspielere unddem Alter der Person se/n muß. Ein Portrait, das wegenseiner Zeichnung und seiner Farbenmischung auch noch so schätz-