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4 (1838)
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Theatralische Bibliothek.

eine bezaubernde. Von der letztem besonders verlanget mandiejenigen überredenden Töne, mit welchen eine Schöne aus demZuschauer, alles was sie will, machen und von ihrem Liebhaber,alles was sie begehrt, erlangen kann. Eine rcitzcndc Stimmekann anstatt vieler andern Vorzüge seyn. Bey mehr als einerGelegenheit hat die Verführung der Ohren über das Zeugnißder Augen gesiegt, und eine Person, der wir unsere Huldigungverweigerten, wenn wir sie blos sahen, hat sie vollkommen zu

verdienen geschienen, wenn wir sie gehöret haben--Bon

der Stimme kommt der Verfasser auf die Gestalt und zeigt indem zweien Hauptstückc, daß die Liebhaber in der Romsdieeine liebenswürdige, und die Melden in der Tragödie eineansehnliche Gestalt haben müssen. Weil es wahrscheinlichist, daß die erhabenen Gesinnungen einer Prinzeß!» sie bewegenkönnen, bey einem Helden die nicht allzu regelmässige Bildungseines Gesichts in Ansehung seiner übrigen grossen Eigenschaften,zu vergessen: so ist es eben nicht so unumgänglich nöthig, daßder Liebhaber in der Tragödie von einer durchaus rcitzcndcnGestalt sey, wenn seine Rolle sich nur ungefehr zu seinem Al-ter schikt. In der Komödie aber Pflegen wir strenger zu seyn.Weil diese uns in den Gesinnungen und Handlungen ihrer Per-sonen nichts als das Gemeine zeigt, so bilden wir uns ihreHelden auch von keinen so ausnehmenden Verdiensten ein, daßsie über das Herz siegen könnten, ohne die Augen zu reißen,und ihre Heldinnen stellen wir uns nicht so gar zärtlich vor,daß sie bey dem Geschenke ihres Herzens nicht ihre Augen zuRathe ziehen sollten. Die Gestalt des Liebhabers muß dieZärtlichkeit derjenigen, von welcher er gcliebct wird, rechtferti-gen; und die Liebhaberin muß uns ihre Liebe nicht blos mitlebendigen Farben abschildern, sondern wir müssen sie auch nicktfür unwahrscheinlich halten, noch ihren schlechten Gcschmak da-bey tadeln können. Man wirft zwar ein, daß man im gemei-nen Leben oft genug eine Schöne nach einem gar nicht liebens-würdigen Menschen seufzen sehe, und daß uns daher ein kleinwenig Ucbcrlcgung gleiche Ercignungcn auf dem Theater erträg-lich machen könne. Hierauf aber ist zu antworten, daß manin der Komödie das Vergnügen durchaus nicht von der Ueber-