Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
197
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Auszug aus dem Schauspieler.

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lich in den Umständen befänden, in welchen sich die Person,die sie vorstellen, befindet. Zn den prosaischen Komödien wirdes ihnen eben nicht schwer, dieser Regel zu folgen; allein inden Komödien in Versen haben sie schon mehr Mühe damit.Sie sollten dahcro wünschen, daß sie alle in Prosc möchtengeschrieben seyn. Dennoch aber, ob schon oft in ganzen Ge-sellschaften von Komödianten kaum eine Person Verse gehörigherzusagen weis, ziehen sie die Stücke in Versen vor, weildiese sich leichter lernen und behalten lassen. Der größte Theilder Zuhörer giebt diesen Stücken gleichfalls den Vorzug. Ohnehier zu untersuchen, ob sich die Sprache der Poesie sür dieKomödien schickt, und in welchem Falle sie zu dulden sey, willich nur anmerken, daß man sich ihrer gewiß seltner bedienenwürde, wenn man nicht in Prose mehr Witz haben müßte;daß das Sylbcnmaaß lind der Reim die Wahrheit der Un-terredung nothwendig verringert, und daß folglich die Schau-spieler sich nicht Mühe genug geben können, das eine zu un-terbrechen, und den andern zu verstecken.

Zn dem sechsten -Hauptstücke untersucht der Verfasser, obdie (Tragödie declamirl werden müsse? Man ist dieser Fragewegen nur deswegen so sehr uneinig, weil man sich allzu vcr-schicdne Begriffe von der ZOeclsmanon macht. Einige verstehendarunter eine gewisse schwülstige und prahlende Recitation, eingewisses unsinniges und monotomschcs Singen, woran die Naturkeinen Antheil nimntt, und welches bloß die Ohren betäubt, undniemals das Herz angreift. Eine solche Deklamation muß aus derTragödie verbannt seyn; nicht aber die Majestät des Vertrags,welche bey einer natürlichen Recitation ganz wohl bestehen kann.Dieser prächtige Vortrag schickt sich besonders an gewisse Stellenin den Tragödien, deren Begebenheiten aus den fabelhaften Zeitenerborgt sind. Man muß zwar auch da die Natur nicht übertrei-ben; allein man muß sie doch in aller ihrer Grösse und in al-len ihrem Glänze zeigen. Von einer mächtigen Zauberin glaubtman, daß sie etwas mehr als menschliches besitze. Wenn daherMedca nichts als ihren untreuen Gemahl zurückrufen will, sokann sie ganz wohl als eine andre Weibsperson reden. Wenn