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198 Theatralische Bibliothek,
sie aber die drcyförmigc Hccate citirt, wenn sie mit ihren ge-flügelten Drachen durch die Lust fährt, alsdann muß sie donnern.
Zn dem siebenden -Hauptsiücke werden einige -Hindernisseangegeben, welche der Mahrheit der Recitation schaden.Eine von den vornehmsten ist die Gewohnheit verschiedener Schau-spieler, ihre Stimme zu zwingen. So bald man nicht mehr inseinem natürlichen Tone redet, ist es sehr schwer, der Wahrheitgemäß zu spielen. Eine andere Hinderniß ist die Monotonie, de-ren cs drcycrlcy Arten giebt. Die eine ist die Ncrharrung in ebenderselben Modulation, die zweyte die Gleichheit der Schlußtöne,und die dritte die allzuofte Wicdcrhohlung eben derselben Wen-dungen der Stimme. Der erste von diesen Fehlern ist den tra-gischen und römischen Schauspielern gleich gemein. Verschiedenevon ihnen bleiben ohn Unterlaß in einem Tone, so wie die klei-nen Instrumente, mit welchen man gewisse Vögel abrichtet. Inden zweyten Fehler fallen die tragischen Acteurs öfterer als diekomischen; sie sind gewohnt, fast immer mit der tiefen Octavczu schlicsscn. Eben so ist cs mit dem dritten Fehler, welchenman gleichfalls den komischen Schauspielern weit seltner als dentragischen vorzuwerfen hat, die besonders durch die Nothwendig-keit, von Zeit zu Zeit eine lange Reihe von Versen majestätischauszusprcchcn, dazu verleitet werden. Man würde auch dem ge-ringsten Anfänger unter ihnen Unrecht thun, wenn man ihmnoch rathen wollte, so viel möglich den Nuhcpunct der Cäsurz» vermeiden. Es ist dieses blos ein Anstoß für diejenigen Ko-mödianten, welche ohne Verstand und ohne Geschmack mehr aufdie Zahl der Sylben, als auf die Verbindung der GedankenAchtung geben. Weil aber die Poesie die natürliche Spracheder Tragödie ist, so sind die tragischen Acteurs nicht so wie diekomischen verbunden, den Reim allezeit zu verstecken. Gemeinig-lich würde cs auch nicht einmal angehen, wenn sie auch gernewollen. Der Abschnitt des Verstandes zwingt sie oft, bey demSchlüsse cincs jeden Verses inue zu halten, und dieses verur-sacht eine Art von Gesang, welchem man am besten dadurchabhilft, wenn man diesen Abschnitt nach Beschaffenheit der Um-stände entweder verkürzt oder verlängert, und nicht alle Versein einerley Zeit ausspricht.--- Ferner gehöret unter die Hin-