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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek.

welche von den ausscrlichen Umständen, in welchen sich verSchauspieler befindet, abhängen. Es muß zum Exempel derOrt der Scene allezeit dem Orte ähnlich seyn, in welchem mandie Handlung vorgehen läßt. Die Zuschauer müssen sich nichtmit auf dem Theater befinden, welches in Paris besonders Modeist. Die Schauspieler müssen gehörig gekleidet seyn; wenn sieihre Rolle in einem prächtigen Auszüge zu erscheinen verbindet,so müssen sie nicht in einem schlechten erscheinen; auch diejenigenSchauspielerinnen, welche die Mägdchcn vorstellen, müssen sichnicht allzusehr putzen, sondcrn ihrer Eitelkeit ein wenig Gewaltanthun. Besonders müssen die Schauspieler die Wahrscheinlich-keit beobachten, wenn sie sich den Zuschauern nach einer Thatzeigen, die ihre Person nothwendig in einige Unordnung mußgesetzt haben. Grcst, wenn er aus dem Tempel kömmt, wo er,-Hermioncn ein Gnügc zu thun, den Pirrhus umgebracht hat,muß nicht in künstlich frisirtcn und gepuderten Haaren erschei-nen. - - Noch eine gewisse Gleichheit muß zwischen dem Schau-spieler und der Person, die er vorstellt, ausser der, deren wiroben gedacht haben, beobachtet werden. Derjenige Actcur, wel-cher zuerst den verlohnten Sohn vorstellte, schien seiner Vortrcf-lichkcit in dem hohen Komischen ungeachtet, dennoch an der un-rechten Stelle zu seyn, weil man ihn unmöglich für einen jun-gen Unglücklichen halten konnte, der sich durch seine üble Auf-führung in die äusserste Armuth gestürzt, und das härteste Elenderduldet habe. Hingegen war das gesunde Ansehen des TNont-mcny, welcher den eingebildeten Kranken vorstellte, in dieserRolle gar nicht anstößig, sondcrn um so viel angenehmer, jelächerlicher es war, daß ein Mensch, dem alles das längste Le-ben zu versprechen schien, sich beständig in einer nahen Todes-gefahr zu seyn einbildcte.

Aus dcn jetzt angeführten Betrachtungen über die Wahrheitder Vorstellung fließen einige andere Betrachtungen, welche daszehnte Hauptstück ausmachen. Sie betreffen die Vorbereitunggrosser Bewegungen, daß stuffcnwcisc Steigen derselben und dieVerbindung in dem Ucbcrgange von einer auf die andre. Eindramatischer Dichter, welcher seine Kunst verstehet, läßt die Zu-schauer mit Fleiß nicht merken, wohin er sie führen will. Der