Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
203
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Auszug aus dem Schauspieler.

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Für diese hat der Schauspieler gewisse Feinheiten von Nöthen,die.der Verfasser in den folgenden drey Hauptstückcn erklärt.In dem zwölften Hauptstücke handelt er von diesen Feinhei-ten überhaupt. Eine von den größten bestehet darinnc, daßer dem Verfasser nachhilft, wo er etwa durch Unterdrückung ei-nes Worts, oder durch sonst eine kleine Unrichtigkeit, die ervielleicht ans Nothwendigkeit des Reims begangen hat, einenschönen Gedanken nicht deutlich genug ausgedrückt hat.Wennzum Exempel Scvcr nach dem Tode des Policnct (Auf;. 6.leyter Auftritt) zu dem Felix und zu der Paulina sagt:

8orvex dien votrv Oiöu, lerve? votro Normale,so bekümmert er sich wenig darum, daß sie bey ihrer Reli-gion bleiben, allein die Treue gegen den Kayscr betrachtet er,als eine Schuldigkeit, deren sie sich auf keine Weise einbrechenkönnen. Daher sprach auch Baron , welcher dasjenige, wasdie Verfasser nicht sagten, aber doch gerne sagen wollten, nn- gemein glücklich zn errathen wußte, die letzter» Worte: dieneteurem Monarchen auf eine ganz andre Art aus, als die cr-stcrn dienet nur eurem GOtt. Er ging über die erste Hclftcganz leicht weg, und legte allen Nachdruck auf die andere.Zn der ersten nahm er den Ton eines Mannes an, welchervon den Tugenden der Christen zwar gerührt, aber von derWahrheit ihrer Religion noch nicht überzeugt ist, und alsoganz wohl zugeben konnte, daß man ihr anhing, aber es garnicht für nöthig hielt, sie selbst zu ergreifen. Zn der ander»aber gab er durch eine sehr feine Bewegung und durch einesehr künstliche Veränderung der Stimme zu verstehen, daß ihmder Dienst des Kaysers ein weit wichtigerer Punct zu sey»scheine, als die gcnaurstc Beobachtung des Christenthums. Eine andre Art von den Feinheiten des Schauspielers kommtauf die Vcrbcrgung der Fehler eines Stücks an. Läßt, zumExempel, der Verfasser, eine Person, mit der er in Unterre-dung ist, allzulange sprechen, so macht er es nicht, wie es wohloft gewisse Schauspielerinnen machen, und läßt seine Augenunterdessen unter den Zuschauern hcrumschwcifcn, sondern er be-müht sich, durch ein stummes Spiel auch alsdcnn zu sprechen,wenn ihm der Dichter das Stillschweigen auslegt.

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