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Theatralische Bibliothek.
Zu dem fünfzehnten -Hauptstücke fugt der Verfasser zu dem,was von den Feinheiten gesagt worden, einige Regeln, dieman bey Anwendung derselben beobachten muß. Sie müssenvor allen Dingen diejenige Person nicht witzig machen, welcheentweder gar keinen oder nur sehr wenig Witz haben soll. Siemüssen auch alsdcnn nicht gebraucht werden, wenn die Personin einer heftigen Bewegung ist, weil die Feinheiten eine völligeFreyheit der Vernunft voraussetzen. Ferner muß man sich lie-ber gar nicht damit abgeben, als solche anzuwenden wagen, vonderen guten Wirkung man nicht gewiß überzeugt ist; denn inAbsicht auf angenehme Empfindungen, wollen wir lieber garkeine, als unvollkommene haben.
Alle diese Feinheiten sind von der Art, daß sie fast immerso wohl gesehen als gehöret werden müssen. Es giebt derenaber auch noch eine Art, welche blos gesehen werden dürfen, unddiese sind das, was man Theaterspiele nennt. Der Verfasserwidmet ihnen das sechszehnte -Hauptstück. Sie helfen entwe-der die Vorstellung blos angenehmer, oder wahrer machen. Dieletztem, welche die Vorstellung wahrer machen, gehören für dieTragödie so wohl, als für die Komödie; die andern aber, ins-besondre nur sür die Komödie. Ferner hangen sie entweder nurvon einer Person, oder von allen Personen, die sich mit ein-ander auf der Bühne befinden, zusammen ab. Die letztemmüssen so eingerichtet seyn, daß in aller Stellungen und Be-wegungen eine vollkommene Uebereinstimmung herrsche. WennPhädra dem Hippolyt den Degen von der Seite reißt, so müs-sen der Schauspieler und die Schauspielerin sich wohl vorgese-hen haben, damit sie sich in dem Augenblicke nicht allzuweitvon einander befinden, und damit die Schauspielerin nicht nö-thig hat, das Gewehr, dessen sie sich bemächtigen will, erst
lange zu suchen.--Uebcrhaupt muß in den Theaterspielen
eine grosse Abwechselung zu bemerken seyn; und von dieser han-delt der Verfasser
Zn dem siebzehnten Hauptstücke. Die Abwechselung ge-höret nicht allein für diejenigen Schauspieler, welche sich zugleichin der Tragödie und Komödie zeigen wollen; auch nicht für diealleine, die nur in der einen oder in der andern spielen: son-