Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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207
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Auszug aus dem Schauspieler.

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dcrn auch für die, die sich mir zu gewissen Rollen bestimmen,die alle einigcrmaasscn mit einander übereinkommen. Die Ur-sache davon ist diese, weil auch diejenigen Personen, die einan-der am meisten ähnlich sind, dennoch gewisse Schattirungcn ha-ben, die sie von einander unterscheiden. Diese Schattirungennmß der Schauspieler aussuchen, und seine Rolle genau zerglie-dern, wenn er nicht alles unter einander mengen, und sich nichteiner cckeln Einförmigkeit schuldig machen will. Dochauch nicht einmal in den ähnlichen Rollen allein muß derSchauspieler sein Spiel abwechseln; er muß es auch alsdannabwechseln, wenn er eben dieselben Rollen spielt. Die wenigeAufmerksamkeit, die man auf diesen Artickel richtet, ist eine vonden vornehmsten Ursachen, warum wir nicht gerne einerleyStuck mehr als einmal hintereinander sehen mögen.Meistenthcils sind die Schauspieler aber nur deswegen so ein-förmig, weil sie mehr nach dem Gedächtnisse, als nach derEmpfindung spielen. Wenn ein Acteur, der Feuer hat, vonseiner Stellung gehörig eingenommen ist; wenn er die Gabehat, sich in seine Person zu verwandeln, so braucht er auf dieAbwechselung weiter nicht zu denken. Ob er gleich verbundenist, so oft er eben dieselbe Rolle spielt, eben derselbe Menschzu bleiben, so wird er doch immer ein Mittel finden, den Zu-schauern neu zu scheinen.

Gesetzt nun, daß das Spiel eines Komödianten vollkommenwahr ist; gesetzt, daß es natürlich ist; gesetzt, daß es fein undabwechselnd ist: so werden wir ihn zwar bewundern, wir wer-den aber doch immer noch etwas vermissen, wenn er nicht dieAnmuth des Vortrags und der Action damit verbindet. Vondieser Anmuth handelt das achtzehnte -Hauptstück. Bey Vor-stellung der Tragödie, ist sie mit unter der Majestät begriffen,welche überall darinnc herrschen muß. Was aber die Anmuthin dem Komischen sey, besonders in dem hohen Komischen, dasläßt sich schwer erklären, und eben so schwer lassen sich Regelndavon geben; überhaupt kann man sagen, daß sie darinne be-stehe, wenn man der Natur auch so gar in ihren FehlernZierde und Rcitz giebt. Man muß närrische Originale nach-schildern, aber man muß sie auf ihrer schönsten Seite nachschil-