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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek.

dcrn. Ein jeder Gegenstand ist einer Art von Vollkommenheitfähig, und ein jeder, den man auf der Bühne zeigt, muß sovollkommen seyn, als er nur immer seyn kann. Ein Land-mägdchcn, zum Exempel, ist auf dem Theater diejenige garnicht, die es auf dem Dorfe ist. Es muß unter ihrem Betra-gen und dem Betragen ihres gleichen, eben der Unterschied seyn,welcher zwischen ihren Kleidern und den Kleidern einer gemei-nen Bäuerin ist.

Das neunFchme Hauptstück, welches das letzte unsersSchauspielers ist, enthält nichts als einen kurzen Schluß, wel-cher aus einer Betrachtung besteht, der die natürliche Folge ausden vorhergcmachtcn Anmerkungen ist.Zc schwerer nun, sagtder Verfasser, die Kunst ist, desto mehr Nachsicht sollten wirgegen die jungen Schauspieler haben, wenn sie mit den na-türlichen Gaben, die ihnen nöthig sind, auch den gehörigenEifer, in ihrem Werke vortrcflich zu werden, verbinden. Wennes aber unser Nutzen erfordert, mit diesen nicht allzustrcngezu verfahren, so erfordert es auch unsre Billigkeit, vortrcfli-chcn Schauspielern alle die Achtung wicdcrfahren zu lassen,

welche sie verdienen.---

Zch bin überzeugt, daß meine Leser aus diesem Auszügeeine sehr gute Meinung von dem Werke des Herrn Remondvon Samte Albine bekommen werden. Und vielleicht werdensie mir es gar verdenken, daß ich sie mit einem blossen Aus-zuge abgefertiget habe. Zch muß also meine Gründe entdecken,warum ich von einer förmlichen Übersetzung, die doch schon fastfertig war, abgestanden bin. Zch habe deren zwey. Erstlichglaube ich nicht, daß unsre deutschen Schauspieler viel darauslernen können; zwcytcns wollte ich nicht gerne, daß deutscheZuschauer ihre Art zu beurtheilen daraus borgen möchten. Daserste zu beweisen berufe ich mich Theils darauf, daß der Ver-fasser seine feinsten Anmerkungen zu erläutern sehr oft nur solchefranzösische Stücke anführt, die wir auf unsrer deutschen Bühnenicht kennen; Theils berufe ich mich auf die ganze Einrichtungdes Werks. Man sage mir, ist es wohl etwas mehr, als eineschöne Metaphysik von der Kunst des Schauspielers? Glaubtwohl jemand wenn er auch schon alles, was darinne gesagt