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4 (1838)
Entstehung
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209
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Auszug aus dem «chauspielcr.

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wird, innc hat, sich mit völliger Zuversicht des Beyfalls aufdem Theater zeige» zn können? Man bilde sich einen Menschenein, dem es an dem äußerlichen nicht fehlt, einen Menschen,der Witz, Feuer und Empfindung hat, einen Menschen, deralles weis, was zur Wahrheit der Vorstellung gehört: wird ihmdenn deswegen sogleich sein Körper überall zu Diensten seyn?Wird er deswegen alles durch äußerliche Merkmahle ausdrückenkönnen, was er empfindet und einsieht? Umsonst sagt man:ja, wenn er nur alsdcnn Action und Aussprache seiner Persongemäß, natürlich, abwechselnd und rcitzcnd einrichtet. Alles die-ses sind abgesonderte Begriffe von dem, was er thun soll, abernoch gar keine Vorschriften, wie er es thun soll. Der 'HerrRemond von Salme Albine setzet in seinem ganzen Werkestillschweigend voraus, daß die äußerlichen Modifikationen desKörpers natürliche Folgen von der innern Beschaffenheit derSeele sind, die sich von selbst ohne Mühe ergeben. Es istzwar wahr, daß jeder Mensch ungelernt den Zustand seinerSeele durch Kennzeichen, welche in die Sinne fallen, riniger-maaßcn ausdrücken kann, der eine durch dieses, der andre durchjenes. Allein auf dem Theater will man Gesinnungen und Lei-denschaften nicht nur cinigcrmaasscn ausgedrückt sehen, nicht nurauf die lmvollkommcne Weise, wie sie ein einzelner Mensch,wenn er sich wirklich in eben denselben Umständen befände, vorsich ausdrücken würde; sondern man will sie aus die allcrvollkom-menste Art ausgedrückt sehen, so wie sie nicht besser und nichtvollständiger ausgedrückt werden können. Dazu aber ist keinander Mittel, als die besondern Arten, wie sie sich bey demund bey jenem ausdrücken, kennen zu lernen, und eine allge-meine Art daraus zusammen zu setzen, die um so viel wahrerscheinen muß, da ein jeder etwas von der scinigcn darinnenentdeckt. Kurz, ich glaube, der ganze Grundsatz unsers Verfas-sers ist umzukehren. Ich glaube, wenn der Schauspieler alleäußerliche Kennzeichen und Merkmale, alle Abänderungen desKörpers, von welchen man ans der Erfahrung gclcrnet hat,daß sie etwas gewisses ausdrücken, nachzumachen weis, so wirdsich seine Seele durch den Eindruck, der durch die Sinne aufsie geschieht, von selbst in den Stand setzen, der seinen Bewe-

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