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Theatralische Bibliothek.
gungen, Stellungen und Tönen gemäß ist. Diese nun auf einegewisse mechanische Art zu erlernen, auf eine Art aber, die sichauf unwandelbare Regeln gründet, an deren Daseyn man durch-gängig zweifelt, ist die einzige und wahre Art die Schauspiel-kunst zu studircn. Allein was findet man hiervon in dem ganzenSchauspieler unsers Verfassers ? Nichts, oder aufs höchste nursolche allgemeine Anmerkungen, welche uns leere Worte für Be-griffe, oder ein ich weis nicht was für Erklärungen geben.Und eben dieses ist auch die Ursache, warum es nicht gut wäre,wenn unsre Zuschauer sich nach diesen Anmerkungen zu urthei-len gewöhnen wollten. Feuer, Empfindung, Wngerveide,U?ahrheit, Natur, Anmuth würden alle im Munde führen,und kein einziger würde vielleicht wissen, was er dabey denkenmüsse. Ich hoffe ehestens Gelegenheit zu haben, mich wcitläuf-tigcr hierüber zu erklären, wenn ich nehmlich dem Publico einkleines Werk über die körperliche Beredsamkeit vorlegen werde,von welchem ich jetzt weiter nichts sagen will, als daß ich miralle Mühe gegeben habe, die Erlernung derselben eben so sicher,als leicht zu machen.
V. Leben des Herrn Philipp Nericault Destouches.
Der nur vor kurzen erfolgte Tod dieses berühmten komischenDichters hat die Vorstellung seiner Vollkommenheiten bey mirso lebhaft gemacht, daß ich nicht umhin kann, in dieser Bi-bliothek seiner unter allen Franzosen am ersten zu gedenken.Vor jczt will ich nur einige historische Umstände seines Lebensmittheilen, und die nähere Bekanntmachung seiner Werke, derenvornehmste ich mit allem Flcis zergliedern werde, auf die nächsteFortsetzung vcrsparen.
Philipp Nericault Destouches, Herr von Forroiseau, vonWofvcs, von Vives-Eaux , zc. Gouverneur der Stadt und desSchlosses Melun , und eines von den vierzig Gliedern der fran-zösischen Akademie, war im Zahr 1680 gcbohrcn. Zn seinemneunzehnten Zahre kam er zu dem Marquis von Puyzieulr,damaligen Gencrallieutenant der französischen Armeen, und Gou-