Leben des Herrn Philipp Ncric.nilt Dcstouchcs. 211
vcrncur von Hünningcn, in dessen Diensten lind unter dessenAufsicht cr sich ganzer sieben Zahr zu öffentlichen Angelegenhei-ten geschickt machte. Dieser Herr hatte sich ehedem nicht nurim Fcldc einen grossen Ruhm und das Vertrauen des Tnrcnneerworben, sondern war auch königlicher Abgesandter bey denSchweizerischen Eantons gewesen. Er bcsas sehr besondere Ver-dienste, und wußte zwey ganz entgegen gesetzte Eigenschaften,die Klugheit nehmlich und das Phlegma eines Staatsmanns mitder Kühnheit und Thätigkeit eines Soldaten zu verbinden.Der junge Desrouches befand sich noch in dem Hause des Mar-quis, als cr seine erste Komödie ans Licht stellte. Es war die-ses der unverschämte Neugierige (l<- On-ioux impertinent) inVersen und fünf Auszügen. Sie hatte Beyfall gefunden, undcr glaubte verbunden zu seyn, sie seinem Wohlthäter zuzucigncu;ja, wenn cr in dicscr Zucignungsschrift nicht so wohl dieSprache der Schmeichelet), als der Wahrheit geredet hat, sowar er es auch in der That. Er und seine Familie halten ihmden löblichen Ehrgeiz, sich auch in der gelehrten Republik einenRang zu erwerben, beygebracht; unter ihm hatte cr scincn Gcistgcbildct und sein Herz gebessert, ja von ihm hatte cr so garmanche vortrcflichc Einsicht in dic Kunst, in wclchcr cr sich zuzeigen anfing, crlangt. So viel ist gewiß, daß unscr Dichterschon in seinem crstcn Stücke eine besondre Kenntniß der gros-sen Welt und der Art, durch welche sich das Lächerliche dersel-ben von den Lächerlichkeiten des Pöbels unterscheidet, zeigte,und überall diejenige Anständigkeit auch bey Schildcrung derLaster blickcn licß, dic fast nur denen, dic unter Leuten vonStande aufgewachsen sind, natürlich zu seyn scheinet. Nachdemcr das Haus dcs Marquis von Puyziculx verlassen, ward crnach und nach in verschicdcncn Staatsuntcrhandlungcn gebraucht,in welchen cr immer glücklich war. Er unterließ dabey nicht,ein vortrcflichcs Stück nach dem andern dem Thcatcr zu licfcrn,und wicdcrlcgtc durch scin Beyspiel auf eine sehr nachdrücklicheArt das Vorurthcil, daß sich ein Dichter zu weiter nichts alszum Dichten schicke, und besonders dic geringsten öffentlichenAngelegenheiten zu vcrwaltcn unfähig sey. Dic Belohnungenseiner Verdienste blieben nicht aus. Zm Jahr 1723 machte
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