224
Theatralische Bibliothek.
Zch habe auch die Antwort auf diesen Brief vor mir. Al-lein ich mache mir ein Bedenken, sie hier drucken zu lassen.Sie ist mit zuviel Hitze geschrieben, und die Rctorsioncn sindgegen die Christen ein wenig zu lebhaft gebraucht. Man kannes mir aber gewiß glauben, daß beyde Corrcspondcntcn, auchohne Reichthum, Tugend und Gelehrsamkeit zu erlangen ge-wußt haben, und ich bin überzeugt, daß sie unter ihrem Volkemehr Nachfolger haben würden, wenn ihnen die Christen nurvergönnten, das Haupt ein wenig mehr zu erheben. — —
Der übrige Theil der Göttingschcn Erinnerungen, worinneman mich zu einem andern ähnlichen Lustspiele aufmuntert, istzu schmeichelhaft für mich, als daß ich ihn ohne Eitelkeit wie-derholten könnte. Es ist gewiß, daß sich nach dem daselbstangegebnen Plane, ein sehr einnehmendes Stück machen liesse.Nur muß ich erinnern, daß die Juden alsdcnn bloß als einunterdrücktes Volk und nicht als Juden betrachtet werden, unddie Absichten, die ich bey Verfertigung meines Stücks gehabthabe, größten Theils wegfallen würden.
Zweytes Stück.
VII. Von den lateinischen Trauerspielen welcheunter dem Namen des Seneca bekannt sind.
Die einzigen Ucberrcste, woraus man die tragische Bühneder Römer einigermassen beurtheilen kann, sind diejenigen zehnTrauerspiele, welche unter dem Namen des Seneca gelesenwerden.
Da ich jetzt vorhabe, sie meinen Lesern bekannter zu ma-chen, so sollte ich vielleicht verschiedene historischkritische Anmer-kungen und Nachrichten voraus schicken, die ihnen die Meinun-gen der Gelehrten von den wahren Verfassern dieser Trauerspiele,von ihrem Alter, von ihrem innern Werthe ?c. erklärten. Dochweil sich hiervon schwerlich urtheilen läßt, wenn man die Stückenicht schon selbst gelesen hat, so will ich in dieser meiner Ab-handlung eben der Ordnung folgen, die jeder wahrscheinlicher