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4 (1838)
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Ueber das Lustspiel die Juden.

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für die Tugend! so ist die Natur stiefmütterlich gegen uns gewesen,als sie die edelste Gabe unter den Menschen ausgetheilt, die natür-liche Liebe zum Guten! Wie weit bist du, gütiger Vater, übersolche Grausamkeit erhaben!

Wer sie naher kennt, theuerster Freund! und ihre Talente ju.schätzen weis, dem kann cS gewiß an keinem Exempel fehlen, wie.leicht sich glückliche Geister, ohne Vorbild und Erziehung emporschwingen, ihre unschätzbaren Gaben ausarbeiten, Geist und Herzbessern, und sich in den Rang der größten Manner erheben könne».Ich gebe einem jeden zu bedenken, ob sie, großmüthiger Frcnnd!nicht die Rolle des Juden im Schauspiel übernommen hätten, wennsie auf ihrer gelehrten Reise, in seine Umstände gesetzt worden-,rcn. Ja ich würde unsere Nation erniedrigen, wenn ich fortfahren.wollte, einzelne Exempel von edlen Gemüthern anzuführen. Nurdas ihrige konnte ich nicht übergehen, weil es so sehr in die Angenleuchtet, und weil ich es allzuoft bewundere.

Ucberhaupt sind gewisse menschliche Tugenden den Juden gemei-ner, als den meisten Christen. Man bedenke den gewaltigen Abscheu,den sie für eine Mordthal habe». Kein einziges Exempel wird mananführen können, daß ein Jude, (ich nehme die Diebe von Pro-feßion aus) einen Menschen ermordet haben sollte. Wie leicht wirdes aber nicht manchem sonst redlichen Christen seinem Nebenmcnschenfür ei» bloßes Schimpfwort das Lebe» zu raube»? Man sagt, essey Niederträchtigkeit bey den Juden. Wohl! wenn Nicdcrträchtig-keit Menschenblnt verschont; so ist Niederträchtigkeit eine Tugend.

Wie mitleidig sind sie nicht gegen alle Menschen, wie milde gc-gen die Armen beyder Nationen? Und wie hart verdient das Ver-fahren der meisten Christen gcge» ihre Arme genennt zu werde»?Es ist wahr, ste treiben diese beyden Tugenden fast zu weit. Ihr.Mitleiden ist allzu empfindlich, und hindert bcynah die Gerechtigkeit,und ihre Müdigkeit ist beynah Verschwendung. Allein, wenn dochalle, die ausschweifen, ans der guten Seite ausschweifcten.

Ich könnte noch vieles von ihrem Fleiße, von ihrer bewunderns-würdigen Mäßigkeit, von ihrer Heiligkeit in den Ehen hinzusetzen.Doch schon ihre gesellschaftliche Tugenden sind hinreichend genug, dieEöttingsche Anzeigen zu widerlegen; und ich betaure den, der eineso allgemeine Vcrurthcilnng ohne Schauern lesen kann. Ich bin :c.