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4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek,

ist deiner unwürdig! Doch hier besinnt sich Megara,daß diese Reden für ihre Umstände zu großsprcchrisch sind; undwendet sich lieber zu den Göttern, welchen sie Opfer und hei-lige Feste verspricht, wenn sie ihr den Gemahl bald wiederschenken wollen.Hält dich aber, fügt sie hinzu, eine höhereMacht zurück; wohl, so folgen wir! Entweder schütze unsdurch deine Zurückkunft alle, oder ziehe uns alle nach dir! Za, nachziehen wirst du uns dir; denn uns Gebeugtevermag auch kein Gott aufzurichten.

Hier unterbricht sie der alte Amphilr^o.Hoffe ein besse-res, spricht er, und laß den Muth nicht sinken. Er wird gc-wiß auch aus dieser Mühseligkeit, wie aus allen, grösser her-vorgehen!

Meg. Was die Elenden gern wollen, das glauben sie leicht.

Amphir. Oder vielmehr, was sie allzusehr fürchten, demvermeinen sie auf keine Weise entgehen zu können.

5Neg. Aber jetzt, da er in die Tiefe versenkt und begrabenist, da die ganze Welt auf ihm liegt, welchen Weg kann erzu den Lebendigen zurückfinden?

Amph. Eben den, welchen er durch den brennenden Erd-strich, und durch das trockne Meer stürmender Sandwogcn fand zc.

N?eg. Nur selten verschonet das unbillige Glück die größ-ten Tugenden. Niemand kann sich lange so häufigen Gefahrensicher blos stellen. Wen das Verderben so oft vorbey gegangenist, den trift es endlich einmal.

Hier bricht Megara ab, weil sie den wüthenden S^-cusmit drohendem Gesicht, und mit Schritten, die seine Gemüths-art verrathen, cinhcrlrctcn sieht. Er redet die ersten zwanzigZeilen mit sich selbst, und schildert sich als einen wahren Ty-rannen. Er ist stolz darauf, daß er sein Reich nicht durch Erb-schaft besitze, daß er keine edcln Vorfahren, kein durch erhabneTitel berühmtes Geschlecht ausweisen könne. Er trozt auf seineeigene Tapferkeit, und findet, daß seine fernere Sicherheit nurauf dem Schwcrde beruhe.Nur dieses, sagt er, kann beydem schützen, was man Wider Willen der Unterthanen besitzt

--Unterdessen will er doch auch nicht unterlassen, einen

Staatsgriff anzuwenden. Er bildet sich nehmlich ein, daß er